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Tümpeln mit Kindern: Leben im Teich entdecken

Kescher, Schale, Lupe und ein Mikroskop: So wird der Ausflug zum Teich zur Forschungsreise, ohne Tiere zu gefährden und ohne Risiko am Ufer.

Zu den Kindermikroskopen

Redaktion Mikroskop-RatgeberAktualisiert am

Kurz & knapp

Beim Tümpeln keschert ihr mit Kindern vorsichtig Wasserlebewesen aus Teich oder Tümpel, schaut sie in einer hellen Schale an und setzt sie danach zurück. Wichtig sind Aufsicht am Wasser, Rücksicht auf geschützte Arten (alle heimischen Amphibien sind besonders geschützt) und gewaschene Hände. Zu Hause zeigt ein Tropfen Teichwasser unter dem Mikroskop Wasserflöhe und Wimpertierchen.

Inhalt
  1. Die Ausrüstung: Weniger ist mehr
  2. Sicherheit am Wasser: Das Wichtigste zuerst
  3. Naturschutz: Gucken ja, mitnehmen nein
  4. Was ihr im Teich finden könnt
  5. Eine Forscherstunde am Teich: So läuft sie ab
  6. Zu Hause weiterforschen: Teichwasser unter dem Mikroskop
  7. Fazit

Der Matsch zwischen den Zehen, ein Kescher in der Hand, und plötzlich hängt etwas Zappeliges im Netz. „Mama, es lebt!“ Wer einmal mit Kindern an einem Teich gestanden hat, kennt diesen Moment. Tümpeln gehört zu den einfachsten Wegen, Kindern Biologie nicht zu erklären, sondern sie erleben zu lassen. Du brauchst dafür kein Labor, nur ein paar Dinge im Rucksack und ein paar Regeln im Kopf.

In diesem Beitrag geht es um vier Dinge: was Du einpackst, wie Du ein Stück Ufer sicher machst, was Du aus Naturschutzgründen lassen musst und wie aus dem Ausflug am Nachmittag ein Mikroskopier-Abend wird.

Die Ausrüstung: Weniger ist mehr

Du brauchst nicht viel. Die meisten Dinge hast Du schon im Haushalt, der Rest ist günstig zu bekommen.

  • Kescher: Ein feinmaschiges Netz mit kurzem Stiel eignet sich für Kinder besser als ein langer Teleskopstab.
  • Weiße Schale oder Wanne: Auf hellem Grund sieht man kleine Tiere sofort. Ein Backblech aus hellem Kunststoff tut es auch.
  • Gläser mit Schraubdeckel oder Becherlupen: Zum kurzen Betrachten und Vorsortieren.
  • Löffel und Pipette: Zum vorsichtigen Umsetzen kleiner Tiere.
  • Lupe: Eine 5- bis 10-fache Handlupe reicht für den Anfang. Mehr dazu unter Juwelierlupe.
  • Bestimmungsbuch oder App: Damit Kinder Namen für das Gefundene bekommen.
  • Handtuch, Wechselkleidung, Gummistiefel: Ohne die geht es nie.

Nimm außerdem einen Eimer mit Wasser aus demselben Gewässer mit. So kommen die Tiere nicht in Leitungswasser, wenn Du sie kurz in der Schale sammelst.

Sicherheit am Wasser: Das Wichtigste zuerst

Wasser fasziniert Kinder, und Aufmerksamkeit lässt sich schwer teilen, wenn gerade ein Molch im Netz zappelt. Die DLRG warnt deshalb eindringlich: Schon in einem Gartenteich mit nur 40 Zentimetern Wasser können kleine Kinder ertrinken, obwohl Erwachsene das oft für ungefährlich halten. Als häufigste Ursache nennt die Lebensrettungsgesellschaft mangelnde Aufsicht. Daraus folgen einfache Regeln:

  1. Kleine Kinder bleiben immer in Sicht- und Reichweite. Bei Kleinkindern heißt das: eine Person, die nur aufpasst, ohne Handy.
  2. Wähle flache, zugängliche Uferstellen mit festem Stand, keine steilen oder rutschigen Böschungen.
  3. Kein Betreten des Wassers ohne Erlaubnis, im Zweifel bleiben alle am Ufer und keschern vom Steg oder von einer Uferkante aus.
  4. Gewässer nach Starkregen meiden, die Ufer sind dann rutschiger und die Strömung stärker.
  5. Kein Teichwasser trinken oder in Trinkflaschen füllen. Nach dem Tümpeln werden die Hände mit Seife gewaschen, bevor gegessen wird.

Wichtig: Gartenteiche, Tümpel auf privatem Grund und Naturschutzgebiete sind nicht automatisch frei zugänglich. Frag vorher nach, ob Du dort keschern darfst.

Naturschutz: Gucken ja, mitnehmen nein

Tümpeln ist Naturbeobachtung, kein Sammeln. Das Bundesnaturschutzgesetz untersagt, wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Für besonders geschützte Arten gilt strenger, dass man ihnen nicht nachstellen, sie nicht fangen, verletzen oder töten darf. Dazu zählen alle Amphibien, die in Deutschland vorkommen: Laut NABU stehen sie seit 1980 unter besonderem Schutz, insgesamt gibt es in Deutschland 21 heimische Amphibienarten, darunter Frösche, Kröten und Molche.

Für Dich heißt das ganz praktisch:

  • Kaulquappen, Molche, Frösche und Kröten bleiben im Wasser. Wenn doch einmal einer im Netz landet, setzt Du ihn sofort und mit nassen Händen zurück.
  • Laich wird nicht herausgeholt, weder zum Anschauen noch zum Großziehen.
  • Kleinkrebse, Insektenlarven und Schnecken schaust Du in der Schale an und setzt sie am selben Ort zurück.
  • Keine Pflanzen ausreißen, kein Uferschlamm aufwühlen, keine Steine am Gewässerrand wegräumen, die als Verstecke dienen.
  • Gehe nie von Teich zu Teich, ohne Kescher und Schuhe abzuspülen. So verschleppst Du keine Pflanzenteile oder Organismen.

Gut zu wissen: Bußgelder bei Verstößen gegen den Artenschutz werden von den Bundesländern festgelegt und können bei Tötung oder Verletzung besonders geschützter Amphibien empfindlich ausfallen. Aber bei Kindern geht es nicht um Strafen, sondern um die Haltung: Wir bewundern das Leben, wir nehmen nichts mit.

Was ihr im Teich finden könnt

Je nach Gewässer, Jahreszeit und Glück kommen ganz verschiedene Bewohner ins Netz. Schon mit bloßem Auge und Lupe lassen sich viele erkennen, für die kleinsten braucht ihr das Mikroskop.

LebewesenGrößeWie sichtbar?
Wasserflöhe (Daphnien)1 bis 5 mmmit bloßem Auge als Pünktchen, mit Lupe gut zu erkennen
Pantoffeltierchen50 bis 300 µm (0,05 bis 0,3 mm)nur im Mikroskop
Insektenlarven und Schneckenmehrere Millimetermit bloßem Auge und Lupe

Wasserflöhe leben vor allem im Plankton von Seen und Teichen. Sie strudeln mit schnell schlagenden Beinen Wasser samt Nahrung in ihre Schale und filtern es. Ihre Ruheeier können im Seesediment mehr als 100 Jahre überdauern. Pantoffeltierchen sind Einzeller, die mit etwa 10.000 Wimpern bedeckt sind und sich damit durchs Wasser bewegen. Du findest sie in Teichen, Seen, Flüssen und Pfützen.

Eine Forscherstunde am Teich: So läuft sie ab

Damit der Ausflug mehr ist als wildes Keschern, hilft ein kleiner Ablauf. Er macht aus Kindern Forscherinnen und Forscher und lässt sich schon mit Vorschulkindern durchführen.

  1. Ankommen und Regeln besprechen: Wo darf man stehen, wer hält den Kescher, was geht zurück ins Wasser?
  2. Wasser in die Schale füllen: Vorher einen Eimer Teichwasser in die weiße Wanne gießen.
  3. Kescher vorsichtig durch das Wasser ziehen: Immer nahe der Wasserpflanzen und über dem Boden, nicht hektisch rühren.
  4. Fang in die Schale entleeren: Dann zehn Sekunden stillhalten und beobachten, was sich bewegt.
  5. Ansehen und benennen: Mit Lupe und Bestimmungshilfe, am besten mit einer kleinen Strichliste auf Papier.
  6. Zurücksetzen: Alle Tiere kommen an die Stelle, an der ihr sie gefunden habt.

Als Mitmach-Idee eignet sich ein Vergleich: Wer findet mehr, am Ufer oder weiter draußen, zwischen Pflanzen oder über freiem Wasser? Kinder lernen so ganz nebenbei, dass verschiedene Zonen eines Gewässers verschiedene Lebensräume sind. Und sie üben das Zählen, Beschreiben und Zeichnen, ohne dass es nach Schule klingt.

Zu Hause weiterforschen: Teichwasser unter dem Mikroskop

Ein Teil des Wassers aus dem Eimer geht zurück an den Teich. Ein kleines Glas nimmst Du für den Abend mit, und zwar nur Wasser, keine Tiere im Netz. Zu Hause arbeitest Du am besten so:

  1. Lass das Glas einige Minuten ruhig stehen, bis sich Schwebstoffe setzen.
  2. Entnimm mit der Pipette einen Tropfen aus der Mitte oder vom Boden.
  3. Setze den Tropfen auf einen Objektträger und lege ein Deckglas schräg auf. Wie das gelingt, zeigt unsere Anleitung Wasser unter dem Mikroskop.
  4. Beginne mit der kleinsten Vergrößerung und suche, bis sich etwas bewegt. Erst dann geht es höher.
  5. Nach dem Beobachten kommt das Wasser zurück an den Teich oder in den Abfluss, nicht aber in den Gartenteich eines anderen.

Wer Pantoffeltierchen gezielt sehen möchte, kann auch einen Heuaufguss ansetzen und sie dort vermehren, ganz ohne zusätzliches Keschern. Für den Einstieg reichen Kindermikroskope mit 40- bis 400-facher Vergrößerung. Wie viel Vergrößerung sinnvoll ist, erklärt der Beitrag Vergrößerung beim Mikroskop, und wann ein Kind reif für ein echtes Gerät ist, steht im Ratgeber Kindermikroskop ab welchem Alter?.

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Fazit

Tümpeln ist Forschung im Kleinen: Kescher, helle Schale und Neugier genügen. Entscheidend sind Aufsicht am Wasser, Respekt vor geschützten Tieren und saubere Hände danach. Mit einem Tropfen Teichwasser und einem Mikroskop wird der Ausflug am Abend verlängert, und Kinder erleben, dass aus einem Teich ein ganzer Kosmos werden kann.

Häufige Fragen

Darf man Kaulquappen aus dem Teich mitnehmen?

Nein. Alle in Deutschland heimischen Amphibien sind besonders geschützt; sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten ist verboten. Kaulquappen und Laich bleiben im Gewässer. Beobachten und fotografieren ist erlaubt.

Ab welchem Alter eignet sich Tümpeln mit Kindern?

Schon Kleinkinder staunen am Wasser, brauchen aber lückenlose Aufsicht. Für das Keschern selbst sind Kinder ab dem Kindergartenalter gut dabei, solange ein Erwachsener direkt daneben steht.

Was brauche ich zum Tümpeln mindestens?

Einen Kescher, eine helle Schale, ein Glas oder eine Becherlupe, eine Lupe und Wechselkleidung. Für zu Hause kommen Pipette, Objektträger und ein Mikroskop dazu.

Welche Lebewesen sieht man im Teichwasser unter dem Mikroskop?

Typisch sind Wasserflöhe (1 bis 5 Millimeter, schon mit Lupe sichtbar) und Einzeller wie Pantoffeltierchen (50 bis 300 Mikrometer), die erst im Mikroskop erkennbar werden. Was genau vorkommt, hängt vom Gewässer ab.

Quellen

  1. § 39 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG (allgemeiner Schutz wild lebender Tiere) – dejure.org
  2. § 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG (Zugriffsverbote, besonders geschützte Arten) – dejure.org
  3. Amphibien – Schutz – NABU
  4. Besonders geschützte Amphibien – Bußgeldkatalog
  5. Gefahren am Gartenteich – DLRG Seligenstadt
  6. Daphnien – Wikipedia
  7. Pantoffeltierchen – Wikipedia

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