Kurz & knapp
Für Wasser unter dem Mikroskop reicht ein Tropfen aus Teich, Tümpel oder Aquarium auf dem Objektträger unter dem Deckglas. Bei 40- bis 400-facher Vergrößerung siehst Du Pantoffeltierchen, Rädertierchen, Algen, Amöben und Wasserflöhe. Leitungswasser ist dagegen nahezu leer, weil die Trinkwasserverordnung die Keimzahl streng begrenzt.
Inhalt
Ein Tropfen Teichwasser ist eine kleine Welt für sich. Was von außen klar und leer wirkt, enthält unter dem Mikroskop schwimmende Einzeller, kriechende Amöben und Kleinkrebse, die vor dem Objektträger umherflitzen. Wasser ist deshalb eines der beliebtesten Objekte für Einsteiger: Es kostet nichts, ist in jedem Garten zu finden und liefert jedes Mal ein anderes Bild.
Dieser Artikel zeigt, wo Du geeignete Proben findest, wie Du sie auf den Objektträger bringst, welche Organismen Du erwarten kannst und welche Vergrößerung dafür passt. Außerdem erfährst Du, was Du im Leitungswasser nicht sehen wirst und worauf Du hygienisch achten solltest.
Wo bekommst Du Wasserproben her?
Das beste Probenmaterial stammt aus stehenden, nährstoffreichen Gewässern mit Pflanzenbewuchs. Fließende, saubere Bäche enthalten weniger Plankton.
| Quelle | Was Du dort findest | Hinweis |
|---|---|---|
| Gartenteich | Wasserflöhe, Algen, Wimpertierchen, Rädertierchen | Probe nahe an Pflanzen und am Grund nehmen |
| Tümpel, Pfütze | Einzeller, Amöben, Mückenlarven | Pfützen nach warmen Tagen sind besonders reich |
| Aquarium | Algen, Wimpertierchen, Bakterienfilm | Aus dem Bodengrund oder vom Algenbelag abstreifen |
| Blumenvase | Bakterien, Wimpertierchen, Amöben | Wasser, das einige Tage gestanden hat |
| Moospolster | Bärtierchen, Rädertierchen | Moos in Wasser auswringen oder einige Stunden einweichen |
| Heuaufguss | Pantoffeltierchen, Bakterien | Selbst angesetzt, siehe Heuaufguss |
Nimm die Probe mit einem sauberen Glas, einer Pipette oder einem Löffel. Fülle das Glas nicht ganz, damit genug Sauerstoff drin bleibt, und beschrifte es mit Ort und Datum. Verarbeite die Probe möglichst am selben Tag, denn Organismen sterben im Glas schnell ab. Lass das Glas im Schatten stehen, aber nicht kalt. Bei Entnahmen an Seen und Bächen beachte, dass das Schöpfen in Schutzgebieten untersagt sein kann.
Tipp: Setz Dich vor dem Mikroskopieren fünf Minuten neben das Glas. Manche Tiere sammeln sich am Lichtrand, andere am Boden. Für Wasserflöhe und größere Tiere fischst Du mit der Pipette aus der Wasseroberfläche, für Algen und Bakterien aus dem Bodensatz.
Wasser mikroskopieren: Schritt für Schritt
- Material bereitlegen: Mikroskop, Pipette, Objektträger, Deckgläser, Küchenpapier. Ein Objektträger-Set bekommst Du in der Bestenliste Objektträger und Deckgläser.
- Tropfen aufsetzen: Gib mit der Pipette einen einzelnen Tropfen auf die Mitte des Objektträgers. Je kleiner der Tropfen, desto dünner die Schicht und desto schärfer das Bild.
- Deckglas auflegen: Setze das Deckglas schräg an, wie bei jedem Frischpräparat, und senke es langsam. Das Deckglas dämpft die Bewegung und hält die Tiere im Bild.
- Kleine Vergrößerung wählen: Beginne mit 40-fach oder 100-fach. Bei kleiner Vergrößerung ist das Sehfeld groß, und Du findest die Tiere leichter.
- Abdunkeln: Schließe die Aperturblende etwas. Lebende, durchsichtige Organismen sind kontrastarm und erscheinen bei weniger Licht deutlicher.
- Auf Bewegung achten: Folge schwimmenden Tieren mit dem Objektträger. Erst wenn ein Organismus zentriert ist, schaltest Du auf höhere Vergrößerung.
- Beobachtung notieren: Skizziere und halte fest, was Du gesehen hast. Tipps stehen in Mikroskop zeichnen.
Hängender Tropfen und Objektträger mit Vertiefung
Schwimmende Einzeller sind im flachen Tropfen schwer zu verfolgen: Sie sind schnell und gleiten unter dem Deckglas aus dem Bild. Zwei Hilfsmittel schaffen Abhilfe.
Ein Objektträger mit Vertiefung (Hohlschliff) hat in der Mitte eine kleine Mulde. In sie kommt ein größerer Tropfen, und das Deckglas liegt darüber, ohne die Tiere zu quetschen. Der Vorteil: Wasserflöhe und Rädertierchen bleiben lebendig und beweglich, und die Probe trocknet langsamer aus.
Beim hängenden Tropfen setzt Du den Tropfen nicht auf den Objektträger, sondern auf die Unterseite des Deckglases. Dazu bestreichst Du den Rand der Vertiefung dünn mit etwas Vaseline, legst das Deckglas mit dem Tropfen nach unten darüber und drückst leicht an. Der Tropfen hängt jetzt frei in der Mulde. Er trocknet kaum aus und eignet sich für längere Beobachtungen. Eine Einschränkung: Bei starken Objektiven ist der Abstand zur Frontlinse knapp, nutze daher nur bis 400-fach und fahre den Tisch vorsichtig an.
Welche Organismen siehst Du im Wasser?
Die folgende Tabelle zeigt typische Funde mit Größe und der Vergrößerung, die sich bewährt. Die Größenangaben stammen aus der Fachliteratur und gelten als Richtwerte.
| Organismus | Größe | Passende Vergrößerung | Woran Du ihn erkennst |
|---|---|---|---|
| Wasserfloh (z. B. Gemeiner Wasserfloh) | Weibchen etwa 3 bis 4 mm, Männchen 1 bis 1,5 mm | 10–40x | Ruckartiges Schwimmen, durchsichtiger Körper, Darm sichtbar |
| Bärtierchen | meist 0,1 bis 0,5 mm | 40–100x | Plumpe Gestalt, acht Stummelbeine, Krallen |
| Rädertierchen | meist 0,1 bis 0,5 mm | 40–200x | Wimpernkranz am Kopf, der wie ein Rädchen wirbelt |
| Amöbe | etwa 0,1 bis 1 mm je nach Art | 100–400x | Formlos, bildet Scheinfüßchen aus, kriecht langsam |
| Pantoffeltierchen | etwa 50 bis 300 µm | 100–400x | Schuhsohlenform, Wimpernkleid, schwimmt schnell |
| Glockentierchen | ausgestreckt über 100 µm | 100–400x | Glockenförmiger Körper auf Stiel, der sich spiralig einrollt |
| Kieselalgen | meist mikroskopisch klein, selten bis 2 mm | 400x | Braun-gelbe Schalen, Boot- oder Scheibenform, gleiten langsam |
| Grünalgen | einzellig bis mehrzellig, sehr unterschiedlich | 100–400x | Grüne Zellen mit Chloroplasten, Kugeln, Kolonien oder Fäden |
Die Grenzen verwischen. Der Übergang zwischen „gut mit bloßem Auge sichtbar“ und „braucht Mikroskop“ liegt bei etwa einem Zehntelmillimeter. Wasserflöhe erkennst Du schon als helle Pünktchen im Glas. Das Pantoffeltierchen, das einen eigenen Artikel hat (Pantoffeltierchen), liegt mit 50 bis 300 µm an dieser Grenze.
Tiere und Einzeller
Wasserflöhe sind winzige Krebse. Ihr Körper ist durchscheinend, sodass Du Darm und Herz im Mikroskop sehen kannst. Sie leben im Plankton und fressen Algen und Schwebstoffe. Bärtierchen findest Du vor allem in feuchtem Moos. Sie können bei Trockenheit in einen Ruhezustand (Kryptobiose) fallen und überstehen so Austrocknung. Rädertierchen erkennst Du an dem fast ständig wirbelnden Räderorgan am Kopf. Es dient der Fortbewegung und strudelt Nahrung herbei. Pantoffeltierchen ernähren sich hauptsächlich von Bakterien, Glockentierchen sitzen meist auf Wasserpflanzen oder an kleinen Wassertieren.
Algen und Amöben
Kieselalgen besitzen eine Zellwand aus Siliciumdioxid, die aus zwei überlappenden Schalenhälften besteht. Diese Schalen sind der Grund für die bizarren Formen unter dem Mikroskop. Sie kommen im Süß- und Salzwasser vor und werden auch als Anzeiger der Wasserqualität genutzt. Grünalgen erkennst Du an ihren grünen Chloroplasten. Amöben haben keine feste Form und fließen mit Scheinfüßchen voran. Sie nehmen Bakterien und kleine Einzeller auf. Einige Arten sind Krankheitserreger beim Menschen, deshalb gilt in der Hygiene weiter unten besondere Sorgfalt.
Gut zu wissen: Wasserflöhe sind mit mehreren Millimetern so groß, dass sie bei starker Vergrößerung nicht mehr ins Sehfeld passen. Für größere Tiere ist ein Stereomikroskop mit niedriger Vergrößerung besser geeignet, siehe Stereomikroskope.
Welche Vergrößerung für welchen Zweck?
Die Gesamtvergrößerung ist Okular mal Objektiv. Bei Wasserproben gilt: Je größer das Tier, desto kleiner die Vergrößerung. Sehfeld und Schärfentiefe nehmen mit steigender Vergrößerung ab. Das ist bei bewegten Tieren ein Nachteil, denn sie verlassen das Bild schneller. Starte mit 40-fach und wechsle erst bei Bedarf. Wie Okular und Objektiv zusammenspielen, erklärt Vergrößerung beim Mikroskop, die Rechnung übernimmt der Vergrößerungsrechner.
| Vergrößerung | Für diese Objekte |
|---|---|
| 40x | Wasserflöhe, Mückenlarven, Fadenalgen, Überblick über die Probe |
| 100x | Rädertierchen, Bärtierchen, Pantoffeltierchen, Amöben |
| 400x | Kieselalgen, Details von Einzellern, Zellstrukturen |
| über 400x | Bakterien (Größe meist 1 bis 5 µm), nur mit gutem Ölobjektiv |
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Was siehst Du im Leitungswasser?
Im Leitungswasser siehst Du in der Regel so gut wie nichts Lebendes. Das ist Absicht: Die Trinkwasserverordnung begrenzt die Gesamtkeimzahl auf 100 koloniebildende Einheiten pro Milliliter. Bakterien sind mit meist 1 bis 5 µm so klein, dass sie in einem Tropfen auch bei 400-facher Vergrößerung kaum auffallen. Dazu kommt: E. coli und andere Indikatorkeime dürfen in 100 ml Trinkwasser gar nicht nachweisbar sein.
Was Du stattdessen siehst, sind unbelebte Dinge:
- Luftblasen: Runde Ringe mit dunklem Rand und hellem Kern. Sie sind die häufigste Fehlinterpretation.
- Fasern und Staub: Aus Luft, Kleidung oder Küchenpapier. Sie liegen scharf, aber bewegen sich nicht von selbst.
- Kalkkristalle: Beim Eintrocknen eines Tropfens entstehen eckige Kristalle, besonders bei hartem Wasser.
- Brownsche Molekularbewegung: Winzige Partikel zittern ohne erkennbare Richtung. Das ist keine Lebensäußerung, sondern Wärmebewegung der Wassermoleküle.
Ein Leitungswassertropfen eignet sich deshalb als Vergleichsprobe: Zeigt er Fasern und Blasen, aber keine Tiere, weißt Du, wie ein „leeres“ Bild aussieht. Für Zählungen von Organismen existiert die Zählkammer.
Hygiene beim Mikroskopieren von Wasser
Teich- und Pfützenwasser kann Keime enthalten, die für den Menschen unangenehm oder gefährlich sind. Einige Amöben-Arten lösen Erkrankungen aus. Daher gelten einfache Regeln:
- Nichts in Mund, Nase und Augen: Probe nicht trinken, nicht in der Nähe von Gesicht und Lebensmitteln verarbeiten.
- Hände waschen nach dem Schöpfen und nach dem Mikroskopieren. Kleine Kratzer mit Pflaster abdecken, bei offenen Wunden Handschuhe tragen.
- Eigene Gläser und Pipetten verwenden, die nicht für Essen oder Trinken gedacht sind.
- Arbeitsplatz reinigen: Objektträger abwischen, Tropfen mit Küchenpapier aufnehmen, Tisch feucht reinigen.
- Entsorgen: Deckgläser und Objektträger in Spülmittel einlegen oder in den Müll geben. Reste der Probe gießt Du in den Abfluss oder zurück an den Entnahmeort, aber nicht in ein anderes Gewässer.
- Mikroskop schützen: Wasser nicht auf Objektiv oder Tisch kommen lassen. Reinigung in Mikroskop reinigen.
Für Kinder gilt: Die Probenahme erfolgt unter Aufsicht, und niemand beugt sich über Gewässer.
Wenn Du mehr als Wasser sehen möchtest
Wer nach den ersten Wasserproben mehr Struktur möchte, kann Zellen gezielt anfärben, etwa mit Methylenblau. Auch die Pflanzenzellen der Zwiebelhaut sind ein Schritt weiter. Für Fertigpräparate von Algen, Schimmelpilzen und Co. bietet sich ein Präparate-Set an. Und wenn Du noch kein Mikroskop besitzt, helfen Dir die Schülermikroskope bei der Auswahl.
Aus dem Magazin: Im Beitrag Tümpeln mit Kindern: Leben im Teich entdecken liest du, wie Tümpeln mit Kindern gelingt – vom Kescher bis zur Beobachtung zu Hause.
Fazit
Wasser ist ein ergiebiges Mikroskopier-Objekt: Teich, Tümpel, Aquarium und Moospolster liefern Pantoffeltierchen, Rädertierchen, Algen, Wasserflöhe und manchmal Bärtierchen. Beginne bei 40-facher Vergrößerung, verwende einen kleinen Tropfen und ein Deckglas, und nutze bei Bedarf einen Objektträger mit Vertiefung oder einen hängenden Tropfen. Leitungswasser ist dagegen fast leer. Arbeite hygienisch, wasche Dir die Hände und trinke nie von der Probe. Ein einfaches Gerät wie in der Bestenliste Schülermikroskope reicht für die meisten dieser Funde.
Häufige Fragen
Was sieht man in Teichwasser unter dem Mikroskop?
Du findest Einzeller wie Pantoffeltierchen, Glockentierchen und Amöben, außerdem Kieselalgen, Grünalgen, Rädertierchen und Wasserflöhe. Welche Organismen auftreten, hängt von Jahreszeit und Bewuchs ab. Nimm die Probe nahe an Wasserpflanzen für die größte Vielfalt.
Welche Vergrößerung brauche ich für Wasserproben?
Starte mit 40-facher Vergrößerung, um Tiere zu finden. Für Wimpertierchen, Amöben und Rädertierchen sind 100- bis 400-fach passend. Wasserflöhe siehst Du schon bei 10- bis 40-facher Vergrößerung ganz.
Was ist ein hängender Tropfen?
Der Tropfen hängt an der Unterseite des Deckglases über der Vertiefung eines Hohlschliff-Objektträgers. Er trocknet kaum aus, und die Tiere schwimmen freier als im flachen Präparat. Du nutzt ihn für längere Beobachtungen bis etwa 400-fach.
Kann man im Leitungswasser Bakterien sehen?
Praktisch nicht. Trinkwasser darf höchstens 100 koloniebildende Einheiten pro Milliliter enthalten, und Bakterien sind meist nur 1 bis 5 µm groß. Im Leitungswassertropfen siehst Du eher Luftblasen, Fasern und Kalkkristalle.
Ist es gefährlich, Teichwasser zu mikroskopieren?
Bei normaler Hygiene ist es unbedenklich. Trinke die Probe nie, wasche die Hände danach und decke kleine Wunden ab. Manche Amöben können beim Menschen Erkrankungen verursachen, deshalb gehört Wasser nicht in Mund, Nase oder Augen.
Quellen
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