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Blut unter dem Mikroskop: Blutzellen und Blutausstrich

Blutausstrich, rote und weiße Blutkörperchen, Blutplättchen und die nötige Vergrößerung als reine Biologie-Beobachtung.

Lichtmikroskope im Vergleich

Redaktion Mikroskop-RatgeberAktualisiert am

Kurz & knapp

Unter dem Mikroskop zeigen sich rote Blutkörperchen als kernlose Scheiben von rund 7,5 µm, daneben seltenere, größere weiße Blutkörperchen und winzige Blutplättchen. Du brauchst dafür mindestens 400-fache Vergrößerung, für Details 1000-fach mit Öl, und einen dünnen Blutausstrich. Das ist reine Biologie-Beobachtung und kein Diagnose-Werkzeug.

Inhalt
  1. Welche Blutzellen gibt es?
  2. Welche Vergrößerung brauchst Du für Blutzellen?
  3. Blutausstrich: Technik in Kürze
  4. Färbung: Pappenheim und Giemsa als Fachlabor-Info
  5. Hygiene und Sicherheit beim Mikroskopieren von Blut
  6. Kein Diagnose-Werkzeug: Was Mikroskopieren von Blut nicht kann
  7. Gerätewahl und Zubehör im Überblick
  8. Fazit

Ein Tropfen Blut enthält Millionen Zellen, die sich ohne Mikroskop nicht unterscheiden lassen. Unter dem Mikroskop zeigt sich ein geordnetes Bild: Scheiben, die wie kleine Kissen aussehen, vereinzelte größere Zellen mit gefärbtem Kern und winzige Bruchstücke dazwischen. Das ist Biologie zum Anfassen, aber sie braucht Sorgfalt bei Technik und Hygiene.

Dieser Artikel erklärt, wie ein Blutausstrich entsteht, welche Blutzellen Du bei welcher Vergrößerung siehst und wie die Färbung im Fachlabor funktioniert. Er ist ausdrücklich kein Anleitungsbuch für Diagnosen. Zur Einordnung lies den Hinweis weiter unten.

Wichtig: Mikroskopieren von Blut zu Hause ist eine Beobachtung für Biologie-Interessierte. Es ersetzt keine Untersuchung beim Arzt und kann keine Krankheit feststellen oder ausschließen. Bei Beschwerden gehst Du zur Ärztin oder zum Arzt, nicht ans Mikroskop.

Welche Blutzellen gibt es?

Blut besteht aus flüssigem Plasma und drei Zelltypen. Die Zahlen unten sind Richtwerte aus der Fachliteratur und können je nach Quelle abweichen.

ZelltypGrößeAnzahl pro Mikroliter BlutAussehen im Mikroskop
Rote Blutkörperchen (Erythrozyten)etwa 7,5 µmrund 4 bis 6 MillionenRunde Scheiben, in der Mitte heller, kein Zellkern
Weiße Blutkörperchen (Leukozyten)etwa 7 bis 20 µmetwa 4.000 bis 10.000 bei ErwachsenenGrößer als rote Zellen, im Ausstrich mit gefärbtem Kern
Blutplättchen (Thrombozyten)1,5 bis 3 µmetwa 150.000 bis 450.000Kleine, blasse Bruchstücke, oft in Gruppen

Ein Mikrometer (µm) ist ein tausendstel Millimeter. Das Verhältnis ist auffällig: Auf ein weißes Blutkörperchen kommen im Schnitt mehrere hundert rote. Deshalb findest Du im Bild fast nur rote Scheiben, und ein weißes Blutkörperchen musst Du suchen.

Rote Blutkörperchen (Erythrozyten)

Rote Blutkörperchen transportieren Sauerstoff. Sie sind mit einem Durchmesser von etwa 7,5 µm sehr klein und haben die Form einer beidseitig eingedellten Scheibe (biconcav). Im Mikroskop erscheint deshalb die Mitte heller als der Rand. Beim Menschen und bei anderen Säugetieren besitzen sie keinen Zellkern. Das unterscheidet sie von den roten Blutkörperchen vieler anderer Wirbeltiere wie Vögel oder Frösche, die einen Kern enthalten. Ihre Lebensdauer liegt bei rund 120 Tagen.

Im Ausstrich zeigen sich oft Stapel, die wie Geldrollen aussehen. Das ist normal und hängt von der Dicke des Ausstrichs ab. An sehr dünnen Stellen liegen die Zellen einzeln, an dicken überlappen sie.

Weiße Blutkörperchen (Leukozyten)

Weiße Blutkörperchen gehören zum Immunsystem. Sie sind größer als rote, aber viel seltener. Man unterscheidet mehrere Gruppen. Granulozyten haben einen gelappten Kern und Körnchen im Zellplasma. Lymphozyten sind kleiner und haben einen großen, runden Kern. Monozyten sind die größten Zellen und können etwa 20 µm erreichen. Im ungefärbten Frischpräparat erkennst Du sie kaum, nach der Färbung heben sich die Kerne deutlich violett ab.

Blutplättchen (Thrombozyten)

Thrombozyten sind keine vollständigen Zellen, sondern Bruchstücke. Sie sind mit 1,5 bis 3 µm kleiner als ein rotes Blutkörperchen und spielen bei der Blutgerinnung eine Rolle. Ihre Lebensdauer beträgt im Mittel acht bis zwölf Tage. Im Bild sehen sie aus wie blasse Pünktchen oder Flecken. Sie sind für Anfänger oft schwer zu erkennen.

Welche Vergrößerung brauchst Du für Blutzellen?

Für Blutzellen reicht ein gutes Lichtmikroskop mit 400-facher Vergrößerung für einen ersten Eindruck. Für Details brauchst Du 1000-fach mit Ölimmersion. Diese Rechnung zeigt, warum:

  • Ein rotes Blutkörperchen mit 7,5 µm erscheint bei 400-facher Vergrößerung etwa 3 mm groß im Bild (7,5 µm mal 400), bei 1000-facher 7,5 mm.
  • Ein Blutplättchen mit 2 µm erscheint bei 400-fach nur etwa 0,8 mm groß, bei 1000-fach 2 mm. Es ist also bei 400-fach an der Grenze der Erkennbarkeit.
VergrößerungObjektivWas Du siehst
100x10xÜberblick, ob der Ausstrich gleichmäßig ist; einzelne Zellen kaum erkennbar
400x40x trockenRote Blutkörperchen als Scheiben, weiße Blutkörperchen mit gefärbtem Kern
1000x100x Öl-ImmersionKernform, Granula im Plasma, Blutplättchen

Die förderliche Vergrößerung hängt von der numerischen Apertur des Objektivs ab. Als Faustregel liegt sie bei etwa dem 500- bis 1000-fachen dieses Wertes (förderliche Vergrößerung). Ein 40x-Objektiv mit Apertur 0,65 erreicht also rund 325 bis 650, ein 100x-Ölobjektiv mit Apertur 1,25 etwa 625 bis 1250. Eine höhere Vergrößerung ohne passende Apertur ist leere Vergrößerung: Das Bild wird größer, aber nicht detailreicher.

Für das 100x-Objektiv brauchst Du Immersionsöl, das zwischen Frontlinse und Deckglas das Licht bündelt und so die Auflösung steigert. Viele Schülermikroskope haben maximal 400x und sind dafür zu schwach. Die Bestenliste Lichtmikroskope zeigt Geräte mit höheren Vergrößerungen. Zur Auswahl von Okularen und Objektiven lies Okulare und Objektive.

Blutausstrich: Technik in Kürze

Der Ausstrich wird im Fachlabor wie folgt gemacht. Die Technik ist international Standard und lässt sich mit zwei Objektträgern nachvollziehen.

  1. Zwei saubere Objektträger bereitlegen. Staub und Fingerabdrücke stören das Bild.
  2. Tropfen aufsetzen: Ein kleiner Blutstropfen kommt etwa einen Zentimeter vom schmalen Rand des ersten Objektträgers entfernt auf das Glas.
  3. Ausstrichobjektträger ansetzen: Der zweite Objektträger wird schräg gehalten und mit der Kante an den Tropfen herangeführt, bis das Blut sich an der Kante verteilt.
  4. Zurückziehen: Mit einer gleichmäßigen Bewegung wird der Ausstrichobjektträger in Gegenrichtung gezogen, ohne zu drücken. Das Blut wird dabei zu einer dünnen Schicht ausgezogen, an deren Ende die Zellen vereinzelt liegen.
  5. Trocknen: Der Ausstrich trocknet an der Luft. Nicht föhnen und nicht mit dem Mund trocken pusten.
  6. Fixieren und färben: Erst danach wird fixiert und gefärbt (siehe unten). Die dünne Auslaufzone, die „Fahne“, ist die beste Stelle zum Mikroskopieren.

Der Winkel des zweiten Objektträgers und die Geschwindigkeit bestimmen die Dicke. Ein steiler Winkel und hohe Geschwindigkeit ergeben einen dickeren Ausstrich. Mehr zur Präparationstechnik allgemein findest Du in Präparat herstellen.

Färbung: Pappenheim und Giemsa als Fachlabor-Info

Ungefärbt sind Blutzellen im Hellfeld fast farblos. Deshalb färben Labore den Ausstrich mit der Pappenheim-Färbung (nach Artur Pappenheim). Sie ist eine panoptische, also vielseitige Färbung. Der luftgetrocknete Ausstrich wird nacheinander mit zwei Lösungen behandelt: zuerst May-Grünwald, dann Giemsa. Beide enthalten Eosin und Methylenblau, Giemsa zusätzlich Azur-Farbstoffe. Methanol dient als Fixiermittel. Die Farbstoffe färben saure und basische Zellbestandteile unterschiedlich: Zellkerne erscheinen bläulich-violett, das Plasma und die roten Blutkörperchen rosa bis rötlich.

Diese Färbung ist Fachlabor-Technik: Methanol ist giftig und leicht entzündlich, die Farbstoffe sind nicht für den Haushalt gedacht. Für Zuhause gibt es Fertigpräparate, in denen der Ausstrich bereits gefärbt und eingedeckt ist. Mehr dazu in der Bestenliste Präparate-Sets. Auch das Anfärben mit Methylenblau allein ist möglich, liefert aber weniger Differenzierung als die Fachlabor-Färbung.

Hygiene und Sicherheit beim Mikroskopieren von Blut

Blut kann Krankheitserreger enthalten, die über Wunden und Schleimhäute übertragen werden. Deshalb gelten klare Regeln:

  1. Nur eigenes Blut. Niemals Blut von anderen Personen verwenden, auch nicht von Familienmitgliedern. Kinder und Jugendliche nur mit Wissen und unter Aufsicht Erwachsener.
  2. Einweglanzette verwenden. Sterile Einmal-Lanzetten, wie sie auch zur Blutzuckermessung genutzt werden. Nie dieselbe Lanzette zweimal oder für mehrere Personen.
  3. Haut desinfizieren. Fingerkuppe vorher mit Hautdesinfektionsmittel oder Alkoholtupfer reinigen und trocknen lassen.
  4. Einmalhandschuhe und saubere Arbeitsfläche. Alle Oberflächen anschließend desinfizieren.
  5. Sicher entsorgen: Gebrauchte Lanzetten kommen in einen bruchsicheren, verschließbaren Behälter. Objektträger und Tupfer mit Blut gehören nicht offen in den Hausmüll, sondern verpackt oder desinfiziert.
  6. Alternative nutzen: Bei Fertigpräparaten fällt überhaupt kein Blut an.

Gut zu wissen: Im Unterricht arbeitet man deshalb meist mit Fertigpräparaten. Auch für Zuhause sind sie die sichere Wahl, wenn Du Blutzellen kennenlernen willst, ohne Dich oder andere zu gefährden.

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Kein Diagnose-Werkzeug: Was Mikroskopieren von Blut nicht kann

Ein Hobbymikroskop ist kein medizinisches Gerät. Die Auswertung eines Blutausstrichs im Labor (Differentialblutbild) erfordert geschulte Fachleute, standardisierte Färbung und Vergleichswerte. Das Ergebnis wird immer zusammen mit anderen Befunden bewertet. Eigene Beobachtungen zu Hause erlauben keine Aussage über Gesundheit oder Krankheit.

Dunkelfeld und „Vitalblutanalyse“: wissenschaftlich nicht anerkannt

Die Dunkelfeldmikroskopie ist eine seriöse Technik der Optik: Das Objekt wird seitlich beleuchtet und erscheint hell vor dunklem Hintergrund. Sie macht ungefärbte, kontrastarme Objekte wie Bakterien oder lebende Einzeller sichtbar. Als Methode ist sie belegt und wird zum Beispiel in der Biologie eingesetzt.

Etwas anderes ist die sogenannte Vitalblutanalyse oder „Live Blood Analysis“. Dabei wird ein frischer Blutstropfen im Dunkelfeld angesehen, und aus der Form der Zellen sollen Krankheiten oder Mängel abgelesen werden. Dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg:

  • Die britische Patienteninformation zu Laboruntersuchungen schreibt, dass es keinen Beleg gibt, dass diese Technik Krankheiten zuverlässig diagnostizieren kann. Bei gleichen Blutproben stellten verschiedene Anwender völlig unterschiedliche Diagnosen. Schwere Erkrankungen wie Leukämie würden oft übersehen.
  • Die deutsche Wikipedia nennt die Blutanalyse im Dunkelfeld in der Alternativmedizin „weder plausibel noch eine verlässliche diagnostische Methode“. Sie führe zu falsch-positiven und falsch-negativen Ergebnissen und werde oft von dem Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln begleitet.

Wenn Dir jemand anbietet, aus einem Blutstropfen unter dem Dunkelfeldmikroskop Krankheiten, Übersäuerung oder Vitaminmangel zu „lesen“, sei skeptisch. Für verlässliche Befunde gibt es Blutuntersuchungen in akkreditierten Laboren, veranlasst von Ärztinnen und Ärzten.

Gerätewahl und Zubehör im Überblick

Wenn Du Blutzellen als Fertigpräparat ansehen möchtest, genügt ein Lichtmikroskop mit 400-facher Vergrößerung. Für Details mit Ölimmersion brauchst Du ein Gerät mit 100x-Objektiv. Welche Vergrößerung zu welchem Zweck passt, zeigt der Artikel Vergrößerung beim Mikroskop. Wer noch kein Gerät hat, findet in Mikroskop kaufen die wichtigsten Kriterien. Auch der Produktfinder führt in fünf Fragen zur passenden Bestenliste.

Fazit

Blutzellen sind ein faszinierendes Biologie-Thema: Rote Blutkörperchen messen etwa 7,5 µm und haben keinen Kern, weiße sind größer und seltener, Blutplättchen sind winzige Bruchstücke. Für einen Überblick reichen 400-fach, für Details braucht es 1000-fach mit Öl. Die Pappenheim-Färbung bleibt dem Fachlabor vorbehalten, für zu Hause sind Fertigpräparate die sichere Wahl. Blut ist kein Diagnose-Material für Laien, und die Dunkelfeld-Vitalblutanalyse ist wissenschaftlich nicht anerkannt. Achte immer auf Hygiene und verwende nur eigenes Blut.

Häufige Fragen

Wie groß sind rote Blutkörperchen unter dem Mikroskop?

Rote Blutkörperchen haben einen Durchmesser von etwa 7,5 µm. Bei 400-facher Vergrößerung erscheinen sie rechnerisch rund 3 mm groß im Bild, bei 1000-facher etwa 7,5 mm. Sie sind beidseitig eingedellt, daher ist die Mitte heller.

Welche Vergrößerung brauche ich, um Blutzellen zu sehen?

Rote Blutkörperchen erkennst Du ab etwa 400-facher Vergrößerung. Für weiße Blutkörperchen mit Kernstruktur und Blutplättchen ist 1000-fach mit Ölimmersion besser. Ein einfaches Schülermikroskop mit 400x genügt für einen ersten Überblick.

Wie wird ein Blutausstrich gemacht?

Ein kleiner Blutstropfen kommt auf einen Objektträger, ein zweiter Objektträger wird schräg angesetzt und ohne Druck zurückgezogen. So entsteht eine dünne Schicht mit einzeln liegenden Zellen. Danach wird der Ausstrich luftgetrocknet, fixiert und im Labor nach Pappenheim gefärbt.

Kann ich mit dem Mikroskop Krankheiten im Blut erkennen?

Nein. Ein Hobbymikroskop kann weder Krankheiten feststellen noch ausschließen. Blutbilder werden im Fachlabor mit standardisierten Verfahren und von geschultem Personal beurteilt. Bei Beschwerden gehst Du zum Arzt.

Was ist von der Vitalblutanalyse im Dunkelfeld zu halten?

Die Vitalblutanalyse ist wissenschaftlich nicht anerkannt. Fachquellen beschreiben sie als weder plausibel noch zuverlässig, weil verschiedene Anwender aus derselben Probe unterschiedliche Befunde ablesen. Die Dunkelfeldtechnik selbst ist seriös, die Krankheitsdeutung aus Blutstropfen aber nicht.

Quellen

  1. Wikipedia: Erythrozyt
  2. Wikipedia: Leukozyt
  3. Wikipedia: Thrombozyt
  4. Wikipedia: Blutausstrich
  5. Wikipedia: Pappenheim-Färbung
  6. Wikipedia: Dunkelfeldmikroskopie
  7. UK-Patienteninformation zu Laboruntersuchungen: Unvalidated or misleading laboratory tests

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