Zum Inhalt springen

Immersionsöl: Wozu es dient und wie Du es verwendest

Ein einziger Tropfen entscheidet bei 100x über Schärfe und Auflösung – richtig dosiert und sauber entfernt.

Okulare und Objektive im Überblick

Redaktion Mikroskop-RatgeberAktualisiert am

Kurz & knapp

Immersionsöl ist ein klares Öl mit einem Brechungsindex von rund 1,515, das zwischen Deckglas und Frontlinse eines Immersionsobjektivs gegeben wird. Es ersetzt die Luft, vermeidet Lichtverluste durch Brechung und ermöglicht eine numerische Apertur über 1.

Inhalt
  1. Warum Öl statt Luft
  2. Anwendung Schritt für Schritt
  3. Reinigung nach dem Mikroskopieren
  4. Andere Immersionsmedien
  5. Verwandte Begriffe

Immersionsöl ist ein spezielles, optisch klares Öl, das bei Hochleistungsobjektiven mit 100x-Vergrößerung zwischen Deckglas und Frontlinse getropft wird. Sein Brechungsindex von etwa 1,515 kommt dem von Deckglas und Frontlinse (rund 1,52) sehr nahe.

Warum Öl statt Luft

An der Grenzfläche zwischen Glas (n ≈ 1,52) und Luft (n = 1) werden schräge Lichtstrahlen so stark gebrochen oder total reflektiert, dass sie das Objektiv nicht erreichen. Mit Öl entfällt der Sprung, auch flach verlaufende Strahlen gelangen ins Objektiv. Dadurch steigt die numerische Apertur auf Werte wie 1,25 bis 1,4 und das Auflösungsvermögen verbessert sich auf rund 0,2 Mikrometer. Früher wurde Zedernholzöl verwendet, heute sind synthetische Öle üblich, weil sie nicht verharzen.

Anwendung Schritt für Schritt

  1. Stelle das Präparat mit dem 10x- und dem 40x-Objektiv scharf.
  2. Drehe den Objektivrevolver zwischen zwei Objektiven und gib einen kleinen Tropfen Öl auf die Deckglasmitte.
  3. Schwenke das Ölobjektiv, erkennbar an „Oil“ oder einem schwarzen Ring, vorsichtig in den Tropfen.
  4. Fokussiere nur mit dem Feintrieb, siehe Grob- und Feintrieb.

Reinigung nach dem Mikroskopieren

Wische Öl am Objektiv und am Präparat sofort mit Linsenpapier ab. Eingetrocknete Reste lassen sich schwer entfernen und können die Frontlinse beeinträchtigen. Als Lösungsmittel nutzt Du nur das, was der Hersteller für Dein Objektiv empfiehlt, oft reicht ein leicht angefeuchtetes Linsenpapier.

Achtung: Verwende Öl nie mit einem Trockenobjektiv, etwa dem 40x. Trage den Tropfen sparsam auf, ein kleiner Tropfen genügt, und mische keine Öle verschiedener Hersteller, weil sich Brechungsindex und Viskosität unterscheiden.

Beispiel

Bakterien sind meist nur 1 bis 5 Mikrometer lang. Mit einem 100x/1,25-Ölobjektiv erkennst Du ihre Form, ohne Öl wären sie nur als verschwommene Punkte auszumachen. Für Schüler- und Hobbyzwecke wird Öl daher nur bei Spezialpräparaten benötigt.

Andere Immersionsmedien

Neben Öl gibt es Wasser (n = 1,33) und Glyzerin (n ≈ 1,47) als Immersionsmedien. Sie kommen vor allem bei lebenden Zellen und in der Forschung zum Einsatz, weil sie weniger stark vom Brechungsindex wässriger Präparate abweichen. Ein Wasserobjektiv darf nur mit Wasser betrieben werden, ein Ölobjektiv nur mit Öl. Bewahre das Öl verschlossen und staubfrei auf; eine verschmutzte Flasche überträgt Partikel auf die Frontlinse.

Verwandte Begriffe

Häufige Fragen

Brauche ich Immersionsöl für ein Hobbymikroskop?

Meist nicht. Öl ist nur für 100x-Ölobjektive nötig, die in Einsteigergeräten selten vorkommen. Für Zellen und Einzeller reichen Trockenobjektive bis 40x.

Kann ich normales Öl als Ersatz nehmen?

Nein. Haushaltsöle haben einen anderen Brechungsindex und können die Optik schädigen. Verwende nur Immersionsöl mit Herstellerfreigabe.

Wie entferne ich das Öl wieder?

Sofort nach dem Gebrauch mit Linsenpapier abtupfen und das Objektiv mit dem vom Hersteller empfohlenen Mittel nachreinigen. Auch das Deckglas wird sauber gewischt.

Quellen

  1. Immersionsöl – Wikipedia
  2. Immersion (Mikroskopie) – Wikipedia

* Affiliate-Link: Bei einem Kauf erhalten wir eine Provision, für dich ändert sich der Preis nicht. Werbehinweis