Kurz & knapp
Der Grobtrieb verändert den Abstand zwischen Objektiv und Präparat in großen Schritten, der Feintrieb in kleinsten Beträgen für das exakte Scharfstellen. Beide sitzen als konzentrische Räder seitlich am Stativ.
Inhalt
Grob- und Feintrieb sind die beiden Drehräder, mit denen Du den Abstand zwischen Präparat und Objektiv veränderst und das Bild scharfstellst. Meist sitzen sie koaxial auf beiden Seiten des Stativs, das große Rad für grob, das kleine oder innere für fein.
Wie die Mechanik arbeitet
Ein Zahnrad greift in eine Zahnstange und bewegt entweder den Tisch oder den Tubus. Beim Grobtrieb bewegt schon eine Umdrehung den Tisch oder Tubus um mehrere Millimeter. Der Feintrieb ist über ein Getriebe untersetzt, so dass die gleiche Drehung nur Bruchteile eines Millimeters bewirkt. Das ist nötig, weil die Schärfentiefe bei hoher Vergrößerung nur noch in der Größenordnung von einem Mikrometer liegt, siehe Schärfentiefe.
Fokussieren in fünf Schritten
- Wähle das kleinste Objektiv, meist 4x.
- Bringe das Objektiv mit dem Grobtrieb bei seitlichem Blick bis kurz vor das Deckglas.
- Schaue durch das Okular und vergrößere den Abstand langsam, bis das Bild auftaucht.
- Stelle mit dem Feintrieb scharf.
- Wechsle auf das nächste Objektiv und korrigiere nur noch mit dem Feintrieb.
Achtung: Bei 40x und 100x darfst Du den Grobtrieb nicht mehr nutzen. Der Arbeitsabstand beträgt oft weniger als einen Millimeter, ein Griff zum falschen Rad drückt die Frontlinse ins Präparat.
Hilfsmittel
- Fokusanschlag: Eine Rastermarke oder Stellschraube begrenzt den Hub nach oben, so dass die Frontlinse nicht auf das Glas trifft.
- Drehwiderstand: Viele Geräte erlauben es, die Schwergängigkeit einzustellen, falls der Tubus von selbst absinkt.
- Parfokalität: Dank parfokaler Objektive bleibt das Bild beim Wechsel nahezu scharf.
Typische Probleme
Wenn das Bild nach dem Scharfstellen wandert, ist meist der Drehwiderstand zu leicht oder die Zahnstange verschmutzt. Spürst Du Spiel, dreht sich das Rad also leer, bevor sich der Tisch bewegt, deutet das auf Verschleiß hin, was bei günstigen Geräten häufiger vorkommt. Bei Kindermikroskopen ist der Feintrieb manchmal nur ein einzelnes Rad; das genügt für niedrige Vergrößerungen, erschwert aber das präzise Arbeiten bei 400x.
Varianten der Triebe
Bei einfachen Geräten gibt es nur einen Trieb, bei besseren zwei getrennte Räder. In der Oberklasse sind Grob- und Feintrieb koaxial auf beiden Seiten des Stativs angeordnet, damit Rechts- und Linkshänder bequem arbeiten. Ein Endanschlag, manchmal auch Tiefenanschlag genannt, begrenzt den Hub nach oben. Der Feintrieb besitzt häufig eine Skala, auf der ein Teilstrich einem bestimmten Mikrometerwert entspricht; so lässt sich die Dicke eines Präparats abschätzen.
Verwandte Begriffe
- Parfokalität – gleiche Schärfeebene beim Wechsel
- Schärfentiefe – wie dünn die Fokusebene ist
- Stativ – trägt die Triebe
- Objekttisch – wird mit den Trieben bewegt
- Zum Weiterlesen: Aufbau eines Mikroskops
Häufige Fragen
Wann nutze ich den Grobtrieb?
Nur bei kleiner Vergrößerung (4x oder 10x), um das Präparat zu finden. Bei 40x und 100x stellst Du ausschließlich mit dem Feintrieb scharf.
Warum wandert das Bild nach dem Scharfstellen weg?
Meist ist der Drehwiderstand zu gering oder die Mechanik schmutzig. Viele Geräte erlauben es, die Schwergängigkeit nachzustellen.
Brauche ich zwei getrennte Räder?
Für Vergrößerungen über 100x ja. Einfache Kindermodelle kommen mit einem Rad aus, arbeiten aber weniger präzise.
Quellen
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