Kurz & knapp
Die Unendlich-Optik ist ein Mikroskopaufbau, bei dem das Objektiv paralleles Licht ausgibt und eine Tubuslinse erst das Zwischenbild erzeugt. Die ältere Endlichoptik arbeitet dagegen mit einer festen Tubuslänge von meist 160 Millimetern.
Inhalt
Bei der klassischen Endlichoptik erzeugt das Objektiv in einem festgelegten Abstand direkt ein reelles Zwischenbild, das das Okular weiter vergrößert. Die Hersteller einigten sich auf 160 mm Tubuslänge, Leitz fertigte nach eigenem Standard mit 170 mm.
Was bei der Unendlich-Optik anders ist
Hier tritt das Licht als paralleles Strahlenbündel aus dem Objektiv aus. Weil sich aus parallelen Strahlen kein Bild formt, sitzt am Ende des Tubus eine Tubuslinse, die das Zwischenbild erzeugt. Auf dem Objektiv erkennst Du das Prinzip am Zeichen ∞ statt der Angabe „160“. Der Vorteil: Im parallelen Abschnitt zwischen Objektiv und Tubuslinse lassen sich Filter, Polarisatoren, Strahlteiler oder Kameraadapter einfügen, ohne die Bildqualität zu verändern.
Die Vergrößerung ergibt sich anders
Die Vergrößerung eines Unendlich-Objektivs ist das Verhältnis aus Brennweite der Tubuslinse zu Brennweite des Objektivs. Die Hersteller verwenden unterschiedliche Tubuslinsen:
| Hersteller | Tubuslinse |
|---|---|
| Leica | 200 mm |
| Nikon | 200 mm |
| Olympus (Evident) | 180 mm |
| Zeiss | etwa 165 mm |
Ein Beispiel: Ein Objektiv mit 5 mm Brennweite ergibt mit einer 200-mm-Tubuslinse eine 40-fache Vergrößerung. Mit einer 180-mm-Tubuslinse wären es nur 36-fach. Deshalb dürfen Unendlich-Objektive verschiedener Hersteller nicht beliebig gemischt werden.
Praxisbezug für Hobby und Schule
Einsteiger-, Schul- und viele Hobbymikroskope arbeiten mit der einfachen 160-mm-Optik. Das ist günstig und für Biologie-Beobachtung völlig ausreichend. Unendlich-Optik findest Du bei Forschungsgeräten, Trinokular-Tuben mit Kameraausgang sowie bei Fluoreszenz- und Polarisationsmikroskopen, die zusätzliche Bauteile im Strahlengang brauchen.
Vor- und Nachteile im Überblick
- Vorteil: Zusatzelemente wie Filter, Analysatoren oder Auflichtbeleuchtung lassen sich im parallelen Strahlengang einbauen, ohne Fokus und Bildqualität zu stören.
- Vorteil: Der Tubus kann länger oder kürzer sein, ohne dass sich die Vergrößerung ändert.
- Nachteil: Die Tubuslinse macht das System aufwändiger und teurer.
- Nachteil: Objektive und Mikroskop müssen vom selben Hersteller oder einem kompatiblen System stammen.
Hinweis: Versuche nie, ein 160-mm-Objektiv an einem Unendlich-Mikroskop zu betreiben oder umgekehrt, ohne Rücksprache mit dem Hersteller. Das Bild wird unscharf oder zeigt Farbsäume, weil die optische Abstimmung nicht stimmt.
Gebraucht gekaufte Objektive sollten auf dem Mantel eine eindeutige Angabe tragen: „160/0,17“ (Endlichoptik, Deckglas 0,17 mm) oder „∞/0,17“. Bei „∞/–“ ist das Objektiv für den Einsatz ohne Deckglas gedacht.
Verwandte Begriffe
Hintergründe zum Gebrauchtkauf liefert der Ratgeber Mikroskop gebraucht kaufen.
Häufige Fragen
Was bedeutet das Unendlichzeichen auf dem Objektiv?
Das Objektiv ist für Unendlich-Optik gerechnet. Es gibt paralleles Licht aus, und eine Tubuslinse im Mikroskop erzeugt das Zwischenbild.
Ist Unendlich-Optik besser als 160 mm?
Sie ist flexibler, weil Zusatzbauteile im parallelen Strahlengang möglich sind. Für einfache Beobachtung im Schulbetrieb genügt die 160-mm-Optik.
Kann ich Objektive verschiedener Hersteller kombinieren?
Nur eingeschränkt. Tubuslinsen unterscheiden sich, daher stimmt die Vergrößerung und die Abbildungsqualität nicht automatisch.
Quellen
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