Kurz & knapp
Das RMS-Gewinde ist ein genormtes Objektivgewinde der Mikroskopie mit der Bezeichnung W 0,8″ × 1/36″. Es wurde nach der Royal Microscopical Society benannt und verbindet Objektive mit dem Revolver.
Inhalt
RMS steht für Royal Microscopical Society. Die britische Gesellschaft diskutierte ab 1857 über ein einheitliches Gewinde und empfahl ab 1858 das Whitworth-Gewinde mit 0,8 Zoll Durchmesser. Das entspricht rund 20,3 Millimetern. Auf einen Zoll kommen 36 Gewindegänge. Vor dieser Vereinheitlichung hatte fast jeder Hersteller sein eigenes Gewinde; ein Objektiv passte also nur zum Mikroskop desselben Anbieters.
Wo Du das Gewinde findest
Das Gewinde ist weltweit verbreitet und wurde später in internationale Normen aufgenommen. Im deutschsprachigen Raum nennt man es auch DIN-Objektivgewinde, denn es war in der Norm DIN/EN/ISO 8038-1 geregelt, die heute durch eine neuere ISO-Norm ersetzt ist. Du findest es bei Einsteiger- und Schulmikroskopen, bei vielen gebrauchten Geräten und bei Billig-Wechselobjektiven. In der Fotografie wurde es für Makroaufnahmen bei ein- bis fünfzigfacher Vergrößerung genutzt.
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Gewindebezeichnung | W 0,8″ × 1/36″ (Whitworth) |
| Außendurchmesser | etwa 20,3 mm |
| Gewindegänge je Zoll | 36 |
| Typische Tubuslänge | 160 mm |
Was beim Mischen zu beachten ist
Dass ein Objektiv in den Revolver passt, heißt nicht, dass es optisch passt. Drei Dinge müssen stimmen:
- Die parfokale Distanz (meist 45 mm) muss gleich sein.
- Die Tubuslänge muss stimmen. Objektive für 160 mm Endlichoptik funktionieren nicht ohne Weiteres an einem Unendlich-System.
- Das Objektiv sollte zum Deckglas (meist 0,17 mm) und zur Tubuslänge passen. Beides steht auf dem Objektiv.
Moderne Forschungsmikroskope haben sich vom RMS-Gewinde teilweise gelöst und nutzen größere Gewinde, etwa M25 oder M26, um größere Linsen und Sehfelder zu ermöglichen. Hobby- und Schulgeräte bleiben meist beim RMS-Standard.
Ein Beispiel aus dem Alltag
Du möchtest zu Deinem Schulmikroskop ein zusätzliches 20×-Objektiv kaufen. Zuerst liest Du die Gravur am vorhandenen Objektiv: Steht dort „160/0,17“, brauchst Du ebenfalls ein Objektiv mit 160 mm Tubuslänge und 0,17 mm Deckglas. Dann misst Du den Gewindedurchmesser mit einem Messschieber. Liegt er bei rund 20 Millimetern, ist es das RMS-Gewinde. Erst wenn beides stimmt, lohnt der Kauf. Einige Mikroskope haben Revolver mit Federn oder Schiebern; auch hier gilt: Das Objektiv muss auf Länge und Gewinde passen, sonst stimmt die Parfokalität nicht mehr.
Tipp: Willst Du ein Objektiv nachrüsten, miss den Gewindeaußendurchmesser und lies die Gravur. Passt der Durchmesser und steht „160“ oder „∞“ auf dem Objektiv, weißt Du, ob es zur Optik passt.
Zusätzlich lassen sich mit dem RMS-Gewinde Adapter bauen: Es gibt Ringe, mit denen sich Objektive an Kamerafassungen oder an Linsenträger anderer Hersteller anschließen lassen. Sie ersetzen aber nicht die optische Abstimmung.
Verwandte Begriffe
Zur Auswahl passender Optik hilft der Ratgeber Okulare und Objektive.
Häufige Fragen
Was bedeutet RMS beim Mikroskop?
RMS steht für Royal Microscopical Society. Die Gesellschaft hat das Standardgewinde für Objektive empfohlen.
Wie groß ist das RMS-Gewinde?
Der Durchmesser beträgt 0,8 Zoll, rund 20,3 Millimeter, bei 36 Gewindegängen pro Zoll. Bezeichnet wird es als W 0,8″ × 1/36″.
Passen alle RMS-Objektive an jedes Mikroskop?
Mechanisch ja, optisch nicht immer. Tubuslänge, parfokale Distanz und Endlich- oder Unendlichoptik müssen zum Mikroskop passen.
Quellen
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