Zum Inhalt springen

Mikroskopobjektiv: Gravuren richtig lesen

Auf jedem Objektiv stehen fünf Angaben, die verraten, was es kann – wir übersetzen sie.

Okulare und Objektive im Überblick

Redaktion Mikroskop-RatgeberAktualisiert am

Kurz & knapp

Das Objektiv ist die Linsengruppe nahe am Präparat, die ein vergrößertes Zwischenbild erzeugt. Es entscheidet über Auflösung, Farbtreue und Schärfe des gesamten Mikroskops.

Inhalt
  1. Die Gravur entschlüsseln
  2. Farbringe zur schnellen Orientierung
  3. Welche Objektiv-Klassen es gibt
  4. Pflege in drei Regeln
  5. Trocken- und Immersionsobjektive
  6. Verwandte Begriffe

Das Mikroskopobjektiv sitzt im Objektivrevolver direkt über dem Präparat. Es sammelt das Licht aus dem Präparat, erzeugt ein vergrößertes Zwischenbild und bestimmt damit zu einem guten Teil die Bildqualität. Das Okular vergrößert dieses Bild nur noch nach.

Die Gravur entschlüsseln

Auf dem Objektivkörper steht eine Zeile wie „Plan 40x / 0,65 ∞ / 0,17“. Daraus liest Du:

  • Plan: Bildfeld geebnet, siehe Planobjektiv.
  • 40x: Abbildungsmaßstab des Objektivs.
  • 0,65: Numerische Apertur.
  • ∞ oder 160: Tubuslänge bzw. Unendlich-Optik.
  • 0,17: Deckglasdicke in Millimetern, für die das Objektiv gerechnet ist.

Farbringe zur schnellen Orientierung

VergrößerungFarbringTypische AperturArbeitsabstand
4xrot0,10mehrere Millimeter
10xgelb0,25einige Millimeter
40xhellblau0,65unter einem Millimeter
100x Ölweiß1,25deutlich unter einem Millimeter

Der Arbeitsabstand ist der freie Raum zwischen Frontlinse und Deckglas. Je stärker das Objektiv vergrößert, desto kleiner wird er, und desto vorsichtiger musst Du fokussieren, weil die Frontlinse sonst das Präparat berührt. Mehr dazu bei Arbeitsabstand.

Welche Objektiv-Klassen es gibt

Die Korrektur reicht vom einfachen Achromat bis zum Apochromat. Dazu kommen Spezialausführungen: Immersionsobjektive für Öl, Phasenkontrastobjektive mit Phasenring und Objektive für Fluoreszenz.

Gut zu wissen: Viele Objektive nutzen das genormte RMS-Gewinde und lassen sich darüber austauschen. Bei Unendlich-Optik musst Du darauf achten, dass die Tubuslinse zum Objektiv passt.

Pflege in drei Regeln

  1. Berühre die Frontlinse nie mit den Fingern, Fett und Schweiß verschmieren die Optik.
  2. Setze Staubschutzkappen auf, wenn ein Objektiv ausgebaut oder das Gerät verstaut wird.
  3. Reinige nur mit Linsenpapier und einem vom Hersteller empfohlenen Mittel, mehr dazu bei Mikroskop reinigen.

Trocken- und Immersionsobjektive

Trockenobjektive arbeiten mit Luft zwischen Deckglas und Frontlinse. Ihre Apertur ist durch den Luft-Glas-Übergang begrenzt, bei 40x liegt sie üblicherweise um 0,65. Immersionsobjektive tragen die Gravur „Oil“ und brauchen einen Tropfen Immersionsöl, wodurch Werte von 1,25 bis 1,4 erreichbar sind. Manche Objektive mit hoher Apertur haben außerdem einen Korrekturring, mit dem Du Abweichungen der Deckglasdicke ausgleichst. Verwende Öl nie an einem Trockenobjektiv und umgekehrt kein Trockenobjektiv in einen Öltropfen.

Ein praktischer Anhaltspunkt für den Einstieg: Ein Satz aus 4x, 10x und 40x deckt Übersicht, Gewebe und Einzelzellen ab. Das 100x-Ölobjektiv brauchst Du nur, wenn Du Bakterien oder feinste Zellstrukturen sehen willst.

Verwandte Begriffe

Häufige Fragen

Wie lese ich die Zahlen auf dem Objektiv?

Die erste Zahl ist die Vergrößerung, die zweite die numerische Apertur, dahinter folgen Tubuslänge und Deckglasdicke. Ein Farbring kennzeichnet die Vergrößerung zusätzlich.

Wie wichtig ist das Objektiv im Vergleich zum Okular?

Wichtiger. Das Objektiv legt Auflösung und Bildqualität fest, das Okular macht das Bild nur größer.

Quellen

  1. Objektiv (Optik) – Wikipedia
  2. Lichtmikroskop – Wikipedia

* Affiliate-Link: Bei einem Kauf erhalten wir eine Provision, für dich ändert sich der Preis nicht. Werbehinweis