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Mikroskop reinigen und warten: So geht es richtig

Optik schonend säubern, Pilz vorbeugen, Immersionsöl entfernen und das Mikroskop selbst kalibrieren.

Okulare und Objektive

Redaktion Mikroskop-RatgeberAktualisiert am

Kurz & knapp

Reinige Mikroskopoptik in Stufen: erst Blasebalg und Pinsel gegen Staub, dann Linsenpapier mit wenigen Tropfen Isopropanol in Spiralbewegung von der Mitte nach außen. Lagere das Gerät mit Staubschutzhaube bei etwa 30 bis 60 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit, denn Glaspilz wächst ab etwa 70 Prozent. Innenreinigung, Justage und Elektronik gehören zum Fachhändler.

Inhalt
  1. Optik reinigen: Die richtige Reihenfolge
  2. Immersionsöl entfernen
  3. Pilzbefall vermeiden: Luftfeuchtigkeit im Griff
  4. Staubschutz und Lagerung
  5. Mechanik pflegen
  6. Was nur der Fachhändler machen sollte
  7. Kalibrierung mit dem Objektmikrometer
  8. Welches Gerät ist wartungsarm?
  9. Pflegeplan zum Abhaken
  10. Fazit

Ein Mikroskop ist ein Präzisionsgerät, aber kein empfindliches Labor-Heiligtum. Mit wenigen Handgriffen und dem richtigen Material hält es viele Jahre. Die meisten Schäden entstehen nicht durch Verschleiß, sondern durch falsche Reinigung, Staub und feuchte Lagerung. Ein Fingerabdruck auf dem Okular, ein Ölfilm auf dem Objektiv oder ein Pilzrasen im Inneren der Optik verschlechtern das Bild stärker als jede Billigoptik.

Dieser Artikel zeigt, wie Du Optik und Mechanik schonend pflegst, wie Du Immersionsöl entfernst und Pilzbefall vorbeugst. Er erklärt außerdem, welche Arbeiten Du besser dem Fachhändler überlässt, und wie Du Dein Mikroskop mit einem Objektmikrometer kalibrierst. Wie das Gerät aufgebaut ist, steht im Artikel Aufbau eines Mikroskops.

Optik reinigen: Die richtige Reihenfolge

Die goldene Regel lautet: erst trocken, dann feucht, und nur so viel wie nötig. Optische Flächen sind beschichtet. Jedes Reiben mit Druck und jedes aggressive Lösungsmittel greift diese Vergütung an. Gehe deshalb immer in Stufen vor und höre auf, sobald die Linse sauber ist.

Das Material

  • Blasebalg: Bläst losen Staub weg, ohne zu berühren. Verwende keinen Druckluftspray, denn der kann Treibmittel auf die Linse spritzen.
  • Weicher Pinsel: Kamelhaar- oder Optikpinsel für Reste, die der Blasebalg nicht löst.
  • Linsenreinigungspapier: Fusselfreies Spezialpapier, auch als Linsenpapier bekannt. Küchenpapier und Taschentücher sind zu rau.
  • Mikrofasertuch für Brillen: Für Okulare und Gehäuse, sauber und fettfrei.
  • Isopropanol oder Optikreiniger: Nur wenige Tropfen, als letzter Schritt bei Fettfilm und Fingerabdrücken.

Schritt für Schritt

  1. Gerät ausschalten und abkühlen lassen: Ziehe den Netzstecker. Eine warme Lampe trocknet Reinigungsmittel zu schnell ein.
  2. Staub abblasen: Mit dem Blasebalg löst Du den groben Staub. Halte das Okular oder Objektiv dabei nach unten.
  3. Pinseln: Wische mit dem weichen Pinsel in einer Richtung über die Fläche, um letzte Körner zu entfernen. Harte Staubkörner wirken wie Schmirgel, wenn Du sie mit einem Tuch verschiebst.
  4. Papier falten: Falte ein frisches Stück Linsenpapier zu einem kleinen Streifen und halte es an einer Kante.
  5. Befeuchten: Gib einen Tropfen Isopropanol auf das Papier, nicht auf die Linse. Die Flüssigkeit darf nicht in die Fassung laufen und dort Kleber oder Schmierfett anlösen.
  6. Spiralbewegung: Wische von der Mitte der Linse in einer Spirale nach außen, mit leichtem Druck und in einem durchgehenden Zug. Nimm für jeden Durchgang ein frisches Papier, damit Du Schmutz nicht zurückschiebst.
  7. Prüfen: Kontrolliere die Linse mit einer Lupe oder einem anderen Okular gegen Licht. Siehst Du noch Schlieren, wiederhole den Vorgang mit neuem Papier.

Nicht tun: Kein Spülmittel, kein Fensterreiniger, kein Aceton und kein Benzin auf die Optik. Auch das Zerlegen von Objektiven ist tabu. Eine einzige verschobene Linse macht ein Objektiv unbrauchbar, und Spezialfett an den falschen Stellen ruiniert das Bild.

Für die Reinigung gilt immer die Herstellerangabe. Manche Geräte besitzen Spezialbeschichtungen, für die der Hersteller bestimmte Mittel vorschreibt. Hinweise zu Okularen und Objektiven findest Du im Ratgeber Okulare und Objektive, die Begriffe dazu im Glossar unter Okular und Objektiv.

Immersionsöl entfernen

Ölimmersionsobjektive mit 100-facher Vergrößerung arbeiten mit einem Tropfen Immersionsöl zwischen Deckglas und Frontlinse. Das Öl hat einen ähnlichen Brechungsindex wie Glas. Standardöl hat nach Wikipedia einen Brechungsindex von etwa 1,518 und liegt damit nahe am Deckglas. So bündelt das Objektiv mehr Licht und löst feinere Details auf. Das Öl muss nach der Beobachtung wieder weg, bevor es antrocknet oder in die Fassung kriecht.

  1. Drehe den Tisch nach unten und den Revolver aus der Ölstellung, aber lass das Präparat noch liegen.
  2. Tupfe das Öl am Objektiv mit sauberem Linsenpapier ab, ohne zu reiben.
  3. Wiederhole das mit einem frischen Papier, bis kein Glanz mehr sichtbar ist.
  4. Entferne feinen Ölfilm mit einem Tropfen Optikreiniger auf dem Papier, wie oben beschrieben.
  5. Reinige das Deckglas und den Objektträger, wenn Du das Präparat aufbewahrst, ebenfalls vom Öl.

Tipp: Verwende Immersionsöl nur an Objektiven, die ausdrücklich dafür vorgesehen sind (Kennzeichnung „Oil“ oder „Imm“). Trockenobjektive vertragen kein Öl. Gelangt es doch auf ein Trockenobjektiv, reinige es sofort.

Pilzbefall vermeiden: Luftfeuchtigkeit im Griff

Pilze sind der gefährlichste Feind der Optik. Sie wachsen als feines Geflecht auf und im Glas, ätzen Beschichtungen und lassen sich oft nicht mehr entfernen. Nach Wikipedia gedeiht der Glaspilz bei Temperaturen von 10 bis 35 Grad Celsius und einer relativen Luftfeuchtigkeit ab 70 Prozent. Für die Lagerung nennt dieselbe Quelle 30 bis 60 Prozent relative Luftfeuchtigkeit.

Die wichtigsten Maßnahmen:

  • Trocken lagern: Keller, Garage und Badezimmer sind ungünstig. Besser ist ein beheizter Wohnraum.
  • Hygrometer nutzen: Ein kleines Messgerät kostet wenig und zeigt, ob die Luft zu feucht ist.
  • Trockenmittel: Silicagel-Beutel im Schrank oder in der Transportbox nehmen Feuchtigkeit auf. Bei Sättigung tauschen oder trocknen.
  • Nicht luftdicht verschließen: Eine Haube, die feuchte Luft einschließt, schadet. Die Haube soll vor Staub schützen, nicht vor Luft.
  • Nach dem Einsatz abtrocknen: Wasserproben und Aufgüsse nie auf dem Tisch stehen lassen. Wische Spritzer sofort mit einem Tuch weg.
  • Gelegentlich benutzen: Ein Gerät, das Luft und Licht bekommt, bleibt eher pilzfrei als eines im verschlossenen Koffer.

Hast Du den Verdacht auf Pilz, erkennst Du ihn als feine, verzweigte Fäden oder wolkige Muster in der Linse. Wische die Außenfläche zunächst mit Optikreiniger ab. Sitzt das Geflecht im Inneren der Optik, ist das ein Fall für die Werkstatt.

Staubschutz und Lagerung

Staub ist der häufigste Verschmutzer. Stülpe nach jedem Gebrauch eine Staubschutzhaube über das Gerät. Sie besteht idealerweise aus Kunststoff oder einem dichten Gewebe, ist nicht fusselnd und lässt das Mikroskop nicht ersticken. Verschließe außerdem die Tuben und Okularöffnungen mit den mitgelieferten Kappen. Drehe vor dem Wegräumen den Objektivrevolver auf das kleinste Objektiv und senke den Tisch ab, so schützt Du die Frontlinsen. Das Netzkabel gehört aufgerollt neben das Gerät, nicht um den Tubus.

Transportiere das Gerät nie am Tubus, sondern greife es am Stativ und am Fuß. Das Aufbewahren im Koffer schützt zusätzlich gegen Stöße. Bei Stereomikroskopen und Lichtmikroskopen gilt dasselbe, auch wenn die Bauarten sich unterscheiden. Eine Auswahl robuster Geräte zeigt die Bestenliste Lichtmikroskop.

Mechanik pflegen

Auch die Mechanik braucht Aufmerksamkeit, aber weniger als die Optik:

  • Gehäuse: Wische es mit einem leicht feuchten Tuch ab. Kein Lösungsmittel auf lackierten Teilen.
  • Triebe: Grob- und Feintrieb sollen gleichmäßig laufen. Hängt der Trieb, hilft meist schon das Entfernen von Staub. Fett nur nach Anleitung des Herstellers auftragen.
  • Objekttisch und Kreuztisch: Entferne Staub und Flüssigkeit. Bei einem Kreuztisch kann sich Schmutz in den Führungen sammeln, hier hilft ein Pinsel.
  • Revolver: Der Objektivrevolver muss in den Rasterstellungen sicher einrasten. Er sollte nicht an den Objektiven, sondern am Revolverring gedreht werden.
  • Beleuchtung: Bei LED-Geräten entfällt der Lampenwechsel. Bei Halogenlampen vorher abkühlen lassen und Glas nicht mit bloßen Fingern berühren.

Was nur der Fachhändler machen sollte

Nicht jede Störung ist ein Fall für Heimwerken. Diese Arbeiten gehören in die Hände eines Fachhändlers oder Herstellerservices:

ProblemSelbst machen?Empfehlung
Staub auf AußenlinsenJaBlasebalg, Pinsel, Linsenpapier
Ölreste auf dem ObjektivJaLinsenpapier, sparsam Optikreiniger
Staub im Inneren der OptikNeinFachwerkstatt, das Zerlegen schadet
Pilz innen auf Linsen oder PrismenNeinFachwerkstatt prüft Beschichtung
Verstellter Tubus oder PrismenjustierungNeinHändler oder Hersteller
Schwergängiger oder rutschender TriebTeilweiseReinigen ja, Nachfetten nur nach Anleitung
Defekte Elektronik oder NetzteilNeinAustausch durch Hersteller
Zerkratzte FrontlinseNeinObjektiv ersetzen

Bei einer Reparatur lohnt der Vergleich von Kosten und Neupreis. Bei einfachen Einsteigergeräten ist ein Austausch oft sinnvoller als eine Werkstatt. Bei hochwertigen Modellen mit auswechselbaren Objektiven ist es umgekehrt. Wer gebraucht kauft, sollte die Optik gründlich prüfen. Dazu gibt der Ratgeber Mikroskop gebraucht kaufen Hinweise.

Kalibrierung mit dem Objektmikrometer

Mit einem Mikroskop kannst Du nicht nur schauen, sondern auch messen. Dafür brauchst Du ein Okularmikrometer, eine Strichskala im Okular, und ein Objektmikrometer. Das Objektmikrometer ist eine Längenskala auf einem Objektträger. Nach Wikipedia ist sie meist 1 Millimeter lang und in 100 gleiche Abschnitte geteilt, ein Abschnitt entspricht also 10 Mikrometern. Mit ihm bestimmst Du, wie viele Mikrometer ein Teilstrich der Okularskala bei einer bestimmten Vergrößerung misst.

  1. Setze das Okularmikrometer ins Okular ein. Beide Skalen müssen gleichzeitig scharf sein.
  2. Lege das Objektmikrometer anstelle eines Präparats auf den Objekttisch und stelle es scharf.
  3. Drehe das Okular so, dass beide Skalen parallel liegen, und schiebe sie, bis die Nullstriche übereinstimmen.
  4. Suche eine Stelle weiter rechts, an der ein Teilstrich beider Skalen wieder genau übereinander liegt.
  5. Zähle, wie viele Intervalle des Objektmikrometers (x) und der Okularskala (z) zwischen den beiden Punkten liegen.
  6. Berechne den Mikrometerwert: Wert pro Okularstrich = x mal 10 Mikrometer geteilt durch z.

Ein Beispiel: Bei 40-fachem Objektiv liegen 10 Intervalle des Objektmikrometers (also 100 Mikrometer) auf 25 Teilstrichen der Okularskala. Dann entspricht ein Okularstrich 10 mal 10 geteilt durch 25 gleich 4 Mikrometer. Notiere den Wert für jedes Objektiv und für jede Okularkombination. Mit einer Digitalkamera funktioniert es ähnlich: Du bestimmst, wie viele Pixel einem bekannten Abstand im Objekt entsprechen.

Die Kalibrierung gilt nur für die genaue Kombination aus Objektiv, Okular und Tubus. Wechselst Du eines davon, musst Du neu kalibrieren. Rechenhilfen für die Vergrößerung bietet der Vergrößerungsrechner.

Welches Gerät ist wartungsarm?

Geräte mit LED-Beleuchtung, Metallstativ und fest verbauten Prismen sind meist am wartungsärmsten. Sie haben keine Lampen, die verbrennen, und weniger bewegliche Teile. Eine Auswahl in der Bestenliste:

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Pflegeplan zum Abhaken

  • Nach jedem Gebrauch: Tisch abwischen, Haube aufsetzen, kleinstes Objektiv einstellen.
  • Einmal im Monat: Staub von Okularen und Objektiven abblasen, Gehäuse abwischen, Hygrometer ablesen.
  • Zweimal im Jahr: Trockenmittel prüfen, Triebe auf Leichtgängigkeit kontrollieren, Optik gegen Licht prüfen.
  • Bei Bedarf: Ölreste entfernen, Okulare reinigen.

Fazit

Reinige Optik in drei Stufen: Blasebalg, Pinsel, dann Linsenpapier mit wenigen Tropfen Isopropanol in Spiralbewegung. Entferne Immersionsöl sofort nach dem Einsatz. Gegen Pilz hilft trockene Lagerung bei 30 bis 60 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit, während das Wachstum ab 70 Prozent beginnt. Halte Staub mit einer Haube fern, und überlasse Innenreinigung, Justage und Elektronik dem Fachhändler. Wer ein Objektmikrometer besitzt, kann sein Gerät zusätzlich selbst kalibrieren und messen.

Häufige Fragen

Womit reinige ich Mikroskoplinsen am besten?

Mit Blasebalg, weichem Pinsel und fusselfreiem Linsenpapier. Bei Fettfilm gibst Du wenige Tropfen Isopropanol auf das Papier, nicht auf die Linse, und wischst in Spiralbewegung von innen nach außen. Verwende nie Spülmittel, Fensterreiniger oder Küchenpapier.

Wie entferne ich Immersionsöl vom Objektiv?

Tupfe das Öl sofort nach der Beobachtung mit frischem Linsenpapier ab, ohne zu reiben. Reste nimmst Du mit einem Tropfen Optikreiniger auf Papier auf. Ein Öl-Rückstand zieht sonst in die Fassung.

Wie verhindere ich Pilz im Mikroskop?

Lagere es trocken bei etwa 30 bis 60 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit, denn Pilze wachsen ab etwa 70 Prozent. Ein Hygrometer und Silicagel-Beutel helfen. Verwende eine Staubschutzhaube, aber verschließe das Gerät nicht luftdicht.

Kann ich ein Mikroskop selbst reparieren?

Oberflächliche Pflege wie Staub entfernen und Gehäuse reinigen geht selbst. Staub oder Pilz im Inneren, verstellte Prismen und defekte Elektronik gehören zum Fachhändler oder Hersteller. Zerlegen Laien ein Objektiv, verschieben sie leicht die Linsen.

Wie kalibriere ich ein Mikroskop mit dem Objektmikrometer?

Du legst das Objektmikrometer statt eines Präparats auf den Tisch und vergleichst seine Skala mit der Okularskala. Ein Abschnitt des Objektmikrometers misst meist 10 Mikrometer. Der Wert pro Okularstrich ergibt sich aus der Anzahl der Intervalle und gilt nur für die gewählte Objektiv-Okular-Kombination.

Quellen

  1. dewiki.de: Glaspilz (Wikipedia-Spiegel)
  2. Wikipedia: Objektmikrometer
  3. Wikipedia: Immersion (Mikroskopie)
  4. Wikipedia: Deckglas

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