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Messen mit dem Okularmikrometer: Eichung Schritt für Schritt

Eine Strichplatte im Okular liefert Teilstriche, aus denen erst die Eichung echte Längen macht.

Zu Okularen und Objektiven

Redaktion Mikroskop-RatgeberAktualisiert am

Kurz & knapp

Ein Okularmikrometer ist eine Glasplatte mit feiner Strichskala im Okular, die gemeinsam mit dem Präparat scharf zu sehen ist. Seine Teilstriche haben erst nach der Eichung mit einem Objektmikrometer einen Längenwert.

Inhalt
  1. Warum eine Eichung nötig ist
  2. Eichen in vier Schritten
  3. Ein Rechenbeispiel
  4. Verwandte Begriffe

Das Okularmikrometer, auch Strichplatte oder Messokular genannt, sitzt in der Zwischenbildebene des Okulars. Du schaust durch das Okular und siehst gleichzeitig Präparat und Skala. Im Hobbybereich kommt meist eine einfache Skala ohne bewegliche Teile zum Einsatz, häufig mit 100 gleichen Teilen. Es gibt auch Schraubenmikrometer, bei denen sich die Platte mit einer Mikrometerschraube bewegen lässt; sie sind aus der Astronomie und Messtechnik bekannt.

Warum eine Eichung nötig ist

Die Skala selbst hat keine feste Maßeinheit. Ein Teilstrich entspricht je nach Objektiv einer anderen Länge im Präparat. Bei schwacher Vergrößerung deckt ein Teilstrich viele Mikrometer ab, bei starker nur wenige. Für jedes Objektiv brauchst Du deshalb einen eigenen Umrechnungswert, den sogenannten Mikrometerwert. Diesen bestimmst Du mit einem Objektmikrometer.

Eichen in vier Schritten

  1. Lege das Objektmikrometer auf den Tisch und fokussiere die Skala.
  2. Drehe das Okular, bis beide Skalen parallel liegen, und schiebe sie an einem Ende zur Deckung.
  3. Suche eine zweite Stelle, an der zwei Striche wieder genau zusammenfallen.
  4. Zähle die Intervalle beider Skalen in diesem Abschnitt und berechne den Mikrometerwert.

Ein Rechenbeispiel

Das Objektmikrometer hat Intervalle von 10 µm. Auf einer Strecke von 40 Intervallen (400 µm) fallen 100 Teilstriche des Okularmikrometers. Dann gilt: Mikrometerwert = 40 × 10 µm ÷ 100 = 4 µm pro Teilstrich. Misst Du anschließend eine Zelle, die 7 Teilstriche breit ist, ergibt das 28 Mikrometer. Bei einem anderen Objektiv musst Du neu eichen.

Gut zu wissen: Die Eichung gilt nur für die Kombination aus diesem Objektiv, dem Tubus und dem verwendeten Okular. Wer einen Zoom oder Zwischentubus ändert, muss erneut messen.

Praktisch ist das Verfahren für Hobbyforscher, die Pollen, Sporen oder Einzeller vermessen und Vergleichstabellen aus der Literatur nutzen möchten. Ein Pantoffeltierchen misst etwa 0,1 bis 0,3 mm; mit einem Mikrometerwert von 4 µm wären das 25 bis 75 Teilstriche. Die Messgenauigkeit hängt von der Auflösung der Skala und vom Ablesen ab; rechne nur mit so vielen Stellen, wie das Bild hergibt.

Wichtig ist, die Skala scharf zu stellen: Drehe die Augenlinse des Okulars, bis die Striche deutlich erscheinen, und fokussiere erst danach das Präparat. Das Okular dient dabei zugleich als Kontrolle. Zeigen die Striche bei beiden Augen verschieden scharf, hilft der Dioptrienausgleich am Tubus.

Alternativ misst Du digital: Kameras mit Messsoftware kalibrieren sich am Objektmikrometer und zeigen dann Längen direkt am Bildschirm an.

Verwandte Begriffe

Welche Okulare und Objektive zusammenpassen, erklärt der Ratgeber Okulare und Objektive.

Häufige Fragen

Wie funktioniert ein Okularmikrometer?

Es ist eine Skala im Okular, die du gleichzeitig mit dem Präparat siehst. Mit einem Objektmikrometer ermittelst du, welcher Länge ein Teilstrich im Präparat entspricht.

Warum muss ich für jedes Objektiv neu eichen?

Weil sich der Abbildungsmaßstab mit dem Objektiv ändert. Ein Teilstrich deckt bei 40-facher Vergrößerung weniger Länge ab als bei 10-facher.

Kann ich ein Okularmikrometer nachrüsten?

Bei vielen Mikroskopen ja, sofern das Okular eine Platte aufnehmen kann. Alternativ gibt es Messokulare mit fest eingebauter Skala.

Quellen

  1. Okularmikrometer – Wikipedia
  2. Objektmikrometer – Wikipedia

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