Kurz & knapp
Der Arbeitsabstand ist der Abstand zwischen der Frontlinse des Objektivs und dem Objekt bei scharfer Einstellung. Je stärker das Objektiv vergrößert, desto kleiner wird er.
Inhalt
Der Arbeitsabstand (englisch working distance, WD) misst den Platz zwischen der vordersten Linse des Objektivs und dem scharf gestellten Objekt. Bei Mikroskopen mit Deckglas zählt er bis zur Deckglasoberseite. Er entscheidet, ob Du mit Pinzette, Lötkolben oder Sonde noch ans Präparat kommst.
Warum er mit der Vergrößerung schrumpft
Hohe Vergrößerung und hohe numerische Apertur erfordern kurze Brennweiten. Die Frontlinse muss dazu sehr nah ans Objekt, um einen großen Lichtkegel einzufangen. Deshalb rutscht das Objektiv bei starken Linsen fast ans Deckglas.
| Objektiv | Grober Arbeitsabstand |
|---|---|
| 4x | etwa 15 bis 30 mm |
| 10x | etwa 5 bis 10 mm |
| 40x | etwa 0,4 bis 0,7 mm |
| 100x Öl | etwa 0,1 bis 0,2 mm |
Die Werte schwanken je nach Hersteller und Bauart, deshalb stehen sie meist im Datenblatt. Zum Vergleich: Ein Deckglas ist 0,17 Millimeter dick. Beim 100x-Ölobjektiv bleibt also kaum mehr als diese Dicke.
Kollision vermeiden
Bei kurzem Arbeitsabstand kann das Objektiv das Präparat berühren und beschädigen. Gehe deshalb immer so vor:
- Beginne mit dem schwächsten Objektiv und fokussiere dort.
- Wechsle über den objektivrevolver zur nächsten Stufe. Bei guter Parfokalität bleibt das Bild fast scharf.
- Fokussiere ausschließlich vom Präparat weg, nie darauf zu, wenn Du nicht auf das Objektiv siehst.
Wo Du den Wert findest
Auf dem Objektiv steht er selten. Meist musst Du ins Datenblatt schauen. Kürzel wie LWD (long working distance) oder ELWD (extra long working distance) verraten Spezialobjektive. Auflichtobjektive für Metall sind oft ohne Deckglas gerechnet und bieten bei gleicher Vergrößerung meist mehr Luft. Ein Rechenbild hilft: 0,15 Millimeter bei 100x Öl entsprechen etwa der Dicke von eineinhalb Blatt Papier. Entsprechend vorsichtig solltest Du fokussieren.
Wo Arbeitsabstand zählt
Bei Stereomikroskopen liegt der Arbeitsabstand oft zwischen 50 und 100 Millimetern oder darüber. Das erlaubt Löten, Reparieren, Präparieren oder Kleben unter der Optik. Mehr dazu in der Bestenliste der Lötmikroskope. Bei inversen Mikroskopen braucht das Objektiv ebenfalls einen langen Abstand, weil es durch den Gefäßboden schaut. Spezialobjektive mit langem Arbeitsabstand (LWD) opfern etwas Apertur, damit Platz bleibt.
Tipp: Wer mit der Hand am Objekt arbeiten will, sollte beim Kauf nach dem Arbeitsabstand fragen und nicht nur nach der Vergrößerung.
Arbeitsabstand und Bildqualität
Ein langer Abstand kostet in der Regel Apertur und damit Auflösung. Wer Details sehen will, nimmt das normale Objektiv und akzeptiert die enge Lücke. Wer mit Werkzeug arbeitet, nimmt Platz und verzichtet auf feinste Struktur. Beides zugleich gibt es nur gegen hohen Preis.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen
Was ist der Arbeitsabstand beim Mikroskop?
Es ist der Abstand zwischen der Frontlinse des Objektivs und dem Objekt bei scharfem Bild. Je höher die Vergrößerung des Objektivs, desto geringer ist er.
Wie groß ist der Arbeitsabstand bei Stereomikroskopen?
Meist deutlich größer als bei Lichtmikroskopen, oft 50 bis 100 Millimeter oder mehr. Der genaue Wert steht in der Herstellerangabe.
Wie vermeide ich, dass das Objektiv das Präparat berührt?
Fokussiere zuerst mit dem schwächsten Objektiv, wechsle dann schrittweise und stelle nur noch mit dem Feintrieb nach. Fahre den Tisch beim Fokussieren vom Objektiv weg, nicht darauf zu.
Quellen
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