Kurz & knapp
Ein inverses Mikroskop (Umkehrmikroskop) hat das Objektiv unterhalb der Probe und die Lichtquelle darüber. So lassen sich Zellen in Kulturgefäßen direkt am Boden beobachten, ohne das Gefäß zu öffnen.
Inhalt
Ein inverses Mikroskop, auch Umkehrmikroskop genannt, ist ein Lichtmikroskop mit umgedrehter Anordnung. Beim normalen Aufbau blickst Du von oben auf das Präparat, das Objektiv sitzt über dem Objekttisch. Hier wandern die Objektive unter den Tisch, und der kondensor samt Lampe sitzt darüber.
Warum diese Bauform?
Lebende Zellen wachsen in Kulturflaschen und Petrischalen am Boden und sind von Nährlösung bedeckt. Von oben müsstest Du durch die Flüssigkeit schauen, die den Strahlengang stört. Von unten schaust Du nur durch den dünnen Gefäßboden auf die Zellen. Ein weiterer Vorteil: Der Raum über der Probe bleibt frei. Dort lassen sich Pipetten oder Mikromanipulatoren einführen, etwa für die Patch-Clamp-Technik, ohne das Objektiv zu stören.
Besonderheiten im Aufbau
- Langer Arbeitsabstand: Das Objektiv muss durch den Gefäßboden hindurch fokussieren. Spezielle Objektive mit langem Arbeitsabstand sind daher üblich.
- Kontrastverfahren: Meist kommt Phasenkontrast zum Einsatz, weil lebende Zellen sonst kaum sichtbar sind.
- Großer Tisch: Er nimmt Flaschen, Mehrlochplatten und Schalen auf.
- Kameraport: Zeitrafferaufnahmen von Zellwachstum sind ein typischer Anwendungsfall.
Objektive und Gefäße müssen zusammenpassen
Der Gefäßboden gehört optisch zum Strahlengang. Kunststoffflaschen haben einen Boden von rund 1 Millimeter Dicke. Dafür braucht das objektiv einen langen Abstand und eine eher niedrige Apertur, was etwa 10x bis 20x sinnvoll macht. Für starke Vergrößerungen kommen Schalen mit Glasboden von 0,17 Millimeter Dicke zum Einsatz, genau die Dicke eines Standard-Deckglases. Mit falscher Kombination wird das Bild matschig, selbst bei teuren Optiken.
Auch in der Materialkunde
In der Metallografie ruhen polierte Proben mit der Schliffseite nach unten auf dem Tisch. Das Objektiv blickt von unten im auflicht auf die plane Fläche. Dadurch liegt jede Probe unabhängig von ihrer Höhe in derselben Ebene, und das Nachfokussieren entfällt.
| Merkmal | Aufrechtes Mikroskop | Inverses Mikroskop |
|---|---|---|
| Objektiv | Über der Probe | Unter der Probe |
| Typische Proben | Objektträger, Schnitte | Zellkulturen, Metallschliffe |
| Zugang von oben | Durch Objektiv blockiert | Frei für Werkzeuge |
| Preis und Platz | Kompakt, günstig | Größer, teurer |
Praxisbezug für Hobby und Schule
Für Wassertropfen, Pflanzenschnitte und Insektenteile genügt ein normales Mikroskop. Ein inverses Gerät lohnt sich erst, wenn Du Kulturen in Schalen beobachten willst, etwa Hefe oder Algen über mehrere Tage. Hobbygeräte sind selten, die meisten Modelle stehen in Laboren. Wer vor allem größere Objekte von oben ansehen will, ist mit einem Stereomikroskop besser bedient. Allgemeine Auswahlhilfe liefert die Bestenliste der Lichtmikroskope.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen
Wozu braucht man ein inverses Mikroskop?
Es dient der Beobachtung von Zellen in Kulturgefäßen, weil das Objektiv von unten durch den dünnen Boden schaut. Zudem lassen sich Werkzeuge von oben einführen. In der Metallografie nutzt man es für polierte Schliffe.
Was unterscheidet es von einem normalen Mikroskop?
Beim inversen Gerät sitzen die Objektive unter dem Tisch und die Lichtquelle darüber. Das normale Mikroskop hat das Objektiv oben. Dadurch eignet sich das inverse Modell besser für große, flüssigkeitsgefüllte Gefäße.
Kann man ein inverses Mikroskop zu Hause nutzen?
Möglich, aber meist unnötig. Für Schule und Hobby reicht ein normales Lichtmikroskop. Interessant wird ein inverses Gerät bei langen Beobachtungen von Kulturen in Schalen.
Quellen
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