Kurz & knapp
Ein Mikrotom ist ein Schneidegerät, das sehr dünne, gleichmäßige Scheiben von Gewebe oder Kunststoff abtrennt. Die Schnitte sind meist zwischen 0,1 und 100 Mikrometer dick und lassen sich im Durchlicht betrachten.
Inhalt
Das Wort stammt aus dem Griechischen („mikros“ klein, „tomé“ Schnitt). Den Begriff Mikrotom prägten 1839 Jacques Louis Vincent und Charles Louis Chevalier, zuvor sprach man von Schneidapparaten. Der Hintergrund: Wer den Aufbau eines Gewebes verstehen will, muss sein Inneres sehen, und dazu muss das Licht hindurch.
Wie ein Mikrotom arbeitet
Die Probe wird fest gehalten, ein Messer fährt darüber, und eine Mikrometerschraube schiebt die Probe nach jedem Schnitt um einen genau einstellbaren Betrag vor. Weiches Gewebe ist zu instabil, deshalb wird es zuvor fixiert und in Paraffin oder Kunstharz eingebettet. Alternativ friert man es ein und schneidet es im Gefriermikrotom bei etwa minus 20 Grad.
| Bauart | Typische Schnittdicke | Einsatz |
|---|---|---|
| Rotationsmikrotom | 1 bis 60 µm | Standard in Histologie und Labor |
| Schlittenmikrotom | Je nach Gerät, oft größere Proben | Holz, Pflanzen, große Blöcke |
| Vibratom | über 30 µm | Ungeschnittenes frisches Gewebe |
| Gefriermikrotom | je nach Probe | Schnellschnitte ohne Einbettung |
Praxisbezug für Hobby und Schule
Ein professionelles Gerät ist für Hobby-Mikroskopiker meist zu teuer und zu aufwändig. Stattdessen genügt für viele Fragestellungen der Handschnitt: ein Stängel, Holundermark oder eine Kartoffel wird zwischen zwei Stücken Mark gehalten, mit einer scharfen Klinge geschnitten, und die dünnsten Scheiben gelangen in ein Wassertröpfchen. Mit etwas Übung entstehen Schnitte von 50 bis 100 Mikrometern, die sich für ein Frischpräparat eignen.
Vorsicht: Rasierklingen und Skalpelle sind scharf. Kinder sollten Schnitte nur mit Erwachsenen anfertigen; für Schulen gibt es Schnittgeräte mit Klingenschutz.
Fixieren, Einbetten, Einfrieren
Weiches Gewebe lässt sich nicht einfach schneiden, es weicht der Klinge aus. Zur Vorbereitung gehört deshalb meist das Einbetten, bei dem die Probe mit Paraffin, Gelatine, Agar oder Kunstharz durchtränkt wird. Danach hat sie über den ganzen Block eine ähnliche Festigkeit. Wasserhaltige Proben müssen sehr schnell eingefroren werden, damit sich keine Eiskristalle bilden, die das Gewebe zerstören würden. Genau deshalb ist die Vorbehandlung genauso wichtig wie das Gerät selbst. Ein gutes Messer, ein sauberer Block und gleichmäßige Geschwindigkeit entscheiden über die Qualität.
Für Sammler und Fortgeschrittene ist die Einordnung wichtig: Ein sauberer Schnitt hat gleichmäßige Dicke. Ungleiche Dicken erzeugen Farbunterschiede, die keine echten Strukturen sind. Das war einer der Gründe, warum das Mikrotom die sichtbaren Details mikroskopischer Präparate Ende des 19. Jahrhunderts deutlich erhöhte.
Der fertige Schnitt wird gefärbt und als Dauerpräparat eingedeckt. Wegen der geringen Dicke funktioniert er im Durchlicht; dicke Proben bleiben dunkel.
Verwandte Begriffe
Wie Du ohne Gerät dünne Präparate herstellst, beschreibt Präparat herstellen; fertige Schnitte zeigen die Präparate-Sets.
Häufige Fragen
Wie dünn schneidet ein Mikrotom?
Je nach Bauart zwischen etwa 0,1 und 100 Mikrometern. Ein Haar misst mit rund 50 bis 100 Mikrometern deutlich mehr als die feinsten Schnitte.
Brauche ich ein Mikrotom als Hobby-Mikroskopiker?
Nein. Handschnitte mit einer Rasierklinge reichen für Pflanzenstängel und Wurzeln. Ein Gerät lohnt erst bei regelmäßiger Arbeit mit eingebettetem Gewebe.
Was ist Mikrotomie?
So heißt das Schneiden mit dem Mikrotom. Es ist Teil der Histotechnik, zu der auch Fixieren, Einbetten und Färben gehören.
Quellen
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