Kurz & knapp
Ein Aplanat ist ein optisches System, bei dem die sphärische Aberration und die Koma korrigiert sind. Als Aplanat-Lupe besteht es aus zwei spiegelbildlich angeordneten Achromaten, die zusammen ein deutlich schärferes Bild als eine einzelne Linse liefern.
Der Name stammt vom griechischen „aplanētos“, ohne Irrtum. Carl August von Steinheil erfand das erste Linsen-Aplanat um 1866, der Begriff geht auf Ernst Abbe zurück. Fast zeitgleich entwickelte John Henry Dallmeyer eine ähnliche Konstruktion. Beide wurden zunächst als Fotoobjektive bekannt.
Aufbau
Ein Aplanat besteht aus zwei symmetrisch angeordneten Achromaten, zwischen denen eine Blende sitzt. Jeder Achromat enthält eine Sammel- und eine Zerstreuungslinse aus Gläsern mit verschiedener Dispersion. Diese Kombination korrigiert den Farbfehler für zwei Farben, den Öffnungsfehler und die Koma. Zwei andere Fehler bleiben: Astigmatismus und Bildfeldwölbung. Die Verzeichnung ist wegen der symmetrischen Bauweise gering.
Warum das für Lupen zählt
Bei schwachen Lupen sind die Bildfehler meist unauffällig. Mit zunehmender Vergrößerung treten sie stärker hervor: Der Rand der Linse bricht zu stark, Farbsäume erscheinen, das Bild verzieht sich. Eine einfache Linse stößt bei stärkerer Vergrößerung an ihre Grenzen. Aplanat-Lupen lösen das Problem durch Linsenkombination und werden als hochwertige Detail- und Juwelierlupen für Sammler und Fachleute angeboten. Wegen des Aufwands sind sie teurer als einfache Glaslupen.
| Fehler | Einfache Linse | Aplanat |
|---|---|---|
| Sphärische Aberration | vorhanden | korrigiert |
| Koma | vorhanden | korrigiert |
| Farbfehler | stark | für zwei Farben korrigiert |
| Astigmatismus, Bildfeldwölbung | vorhanden | bleibt |
Praxis-Tipps
- Halte die Lupe nah ans Auge und bewege das Objekt, nicht die Lupe. So bleibt das Sichtfeld groß.
- Achte auf den Arbeitsabstand: Er sinkt mit der Vergrößerung stark, und Du musst nah am Objekt arbeiten.
- Nur wenn die Lupe mehrere Linsen enthält, kann sie Fehler korrigieren. Eine einzelne dicke Glaslinse tut das nicht.
Tipp: Marketingbegriffe wie „apochromatisch“ oder „aplanatisch“ sind nicht geschützt. Prüfe, ob der Hersteller die Linsenzahl (zum Beispiel drei Linsen in zwei Gruppen) angibt.
Aplanat, Achromat und Triplet
Im Handel begegnen Dir verwandte Begriffe. Ein Achromat korrigiert nur den Farbfehler, ein Aplanat zusätzlich Öffnungsfehler und Koma. Triplet-Lupen setzen drei Linsen ein und erreichen eine ähnlich gute Korrektur auf kleinem Raum. Welche Bezeichnung ein Anbieter verwendet, sagt allein wenig; aussagekräftig sind Angaben zur Linsenzahl, zur Linsengruppierung und zum Sichtfeld. Wer Edelsteine, Münzen oder Briefmarken bewertet, achtet auf ein farbneutrales Bild bis zum Rand, denn kleine Farbsäume verfälschen den Eindruck von Oberflächen.
Heute werden Aplanate in der Fotografie kaum noch gebaut, weil es Konstruktionen mit besserer Korrektur gibt. Als Lupe haben sie sich dagegen erhalten, denn dort zählt vor allem ein großes, klares Mittelfeld bei kompakter Bauform.
Verwandte Begriffe
Hochwertige Modelle für Sammler und Fachleute finden sich bei den Juwelierlupen.
Häufige Fragen
Was bedeutet Aplanat bei einer Lupe?
Die Lupe enthält zwei symmetrische Linsengruppen, die sphärische Aberration und Koma korrigieren. Das Bild bleibt auch bei hoher Vergrößerung scharf.
Wofür steht Aplanat sprachlich?
Das Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet „ohne Irrtum“. Ernst Abbe prägte den Begriff für optische Systeme ohne Öffnungsfehler.
Brauche ich eine Aplanat-Lupe?
Für Lesen reicht eine einfache Lupe. Bei starker Vergrößerung für Briefmarken, Münzen oder Schmuck lohnt sich eine korrigierte Mehrlinsenlupe.
Quellen
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