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Mundschleimhaut mikroskopieren: Zellen erkennen

Abstrich mit Spatel, Färbung mit Methylenblau, Zellkern und Bakterien erkennen und die Tierzelle mit der Pflanzenzelle vergleichen.

Passendes Schülermikroskop finden

Redaktion Mikroskop-RatgeberAktualisiert am

Kurz & knapp

Für das Präparat streifst Du mit einem sauberen Holzspatel über die Wangeninnenseite, verreibst die Zellen in einem Wassertropfen, deckst mit dem Deckglas ab und färbst mit verdünntem Methylenblau. Bei 400-facher Vergrößerung siehst Du flache Plattenepithelzellen mit blauem Zellkern und kleine Bakterien. Es gilt: nur der eigene Abstrich, Einmal-Spatel, Hände waschen.

Inhalt
  1. Was brauchst Du für den Mundschleimhaut-Abstrich?
  2. Mundschleimhaut mikroskopieren: Schritt für Schritt
  3. Welche Färbung passt?
  4. Was siehst Du im Mikroskop?
  5. Pflanzenzelle und Tierzelle im Vergleich
  6. Typische Fehler beim Mundschleimhaut-Präparat
  7. Hygiene und Entsorgung
  8. Die Zeichnung zur Mundschleimhaut
  9. Welche Vergrößerung brauchst Du?
  10. Fazit

Die Mundschleimhaut ist das einfachste tierische Präparat, das Du bekommen kannst: Du brauchst weder Messer noch Pinzette, nur einen sauberen Holzspatel oder Zahnstocher. Die oberste Zellschicht der Wangeninnenseite löst sich leicht ab, und beim Abstreifen bleiben Zellen am Spatel hängen. Unter dem Mikroskop sind sie flache, unregelmäßige Plättchen mit einem deutlichen Zellkern.

Dieser Artikel zeigt Dir Schritt für Schritt, wie Du den Abstrich machst, mit Methylenblau anfärbst und die Zellen von Bakterien unterscheidest. Eine Vergleichstabelle stellt Pflanzenzelle und Tierzelle gegenüber. Wenn Du noch Anfänger bist, lohnt vorher ein Blick auf Präparat herstellen.

Was brauchst Du für den Mundschleimhaut-Abstrich?

  • Mikroskop mit mindestens 400-facher Vergrößerung, ein Schülermikroskop genügt.
  • Holzspatel oder Zahnstocher, neu und unbenutzt, nur zum einmaligen Gebrauch.
  • Objektträger und Deckglas (Nachschub in der Bestenliste Objektträger und Deckgläser).
  • Methylenblau-Lösung, stark verdünnt, und eine Pipette.
  • Wasser zum Mundausspülen und Küchenpapier.
  • Papiertaschentuch zum Abwischen von Spatel und Händen, danach Hausmüll.

Mundschleimhaut mikroskopieren: Schritt für Schritt

  1. Mund ausspülen: Spüle den Mund mit klarem Wasser, damit Speisereste und Zahnpasta nicht stören. Putze die Zähne nicht unmittelbar davor, denn Reste von Zahnpasta verfälschen das Bild.
  2. Objektträger vorbereiten: Gib einen kleinen Tropfen Wasser in die Mitte eines sauberen Objektträgers.
  3. Abstrich nehmen: Streiche mit dem Spatel oder der flachen Seite eines Zahnstochers sanft, aber zügig über die Wangeninnenseite. Es soll nicht wehtun. Du brauchst nur einen leichten Belag am Spatel, der wie ein winziger weißlicher Schleier aussieht.
  4. Verreiben: Streiche den Spatel im Wassertropfen aus und verreibe die Zellen so, dass sie sich verteilen. Dicke Klumpen vermeiden.
  5. Deckglas auflegen: Setze eine Deckglaskante schräg am Tropfenrand an und senke es langsam. Dabei bleiben kaum Luftblasen unter dem Glas.
  6. Zuerst ungefärbt ansehen: Beginne mit dem kleinsten Objektiv und stelle erst grob, dann fein scharf. Die Zellen sind im Hellfeld schwer zu sehen. Schließe die Aperturblende etwas, um den Kontrast zu erhöhen.
  7. Färben: Tropfe einen Tropfen verdünntes Methylenblau an den einen Rand des Deckglases und sauge am gegenüberliegenden Rand mit Küchenpapier ab. Nach ein bis zwei Minuten sind die Kerne deutlich blau.
  8. Vergrößern: Wechsle auf 100-fach, danach auf 400-fach. Suche eine Stelle mit einzelnen, nicht überlappenden Zellen.

Tipp: Wenn Du nur Schleier ohne erkennbare Zellen siehst, war der Abstrich zu dünn. Streiche beim zweiten Versuch etwas länger über die Wange. Bei großen Klumpen mit dunklen Zentren war er zu dick: Dann verdünne mit einem weiteren Tropfen Wasser.

Hygiene: Immer nur den eigenen Abstrich verwenden, nie den eines anderen Menschen. Spatel oder Zahnstocher nach einmaligem Gebrauch wegwerfen. Mehr dazu im Abschnitt Hygiene unten.

Welche Färbung passt?

Methylenblau ist ein blauer Farbstoff, den man seit dem 19. Jahrhundert in der Mikroskopie nutzt. Paul Ehrlich setzte ihn 1885 zum selektiven Anfärben von Gewebe ein. Bei der Mundschleimhaut färbt er vor allem den Zellkern kräftig blau, das Zellplasma bleibt heller. In der Bakteriologie wird alkalisches Methylenblau für die Färbung von Bakterien benutzt (Löffler-Färbung). Dadurch werden auch die Mundbakterien sichtbar.

Verwende nur sehr wenig Farbstoff. Ein winziger Tropfen reicht, denn Methylenblau ist in Wasser gut löslich, und schon kleine Mengen färben die Probe sichtbar. Zu viel Farbe macht alles gleichmäßig dunkel und die Zellkerne fallen nicht mehr auf. Statt Methylenblau gibt es auch verdünnte Iod-Kaliumiodid-Lösung, die den Kern gelblich-braun hebt. Wie das funktioniert, zeigt die Anleitung zur Zwiebelhaut.

Was siehst Du im Mikroskop?

Die Mundschleimhaut ist ein mehrschichtiges, überwiegend unverhorntes Plattenepithel. Das heißt: Die Zellen sind flach wie Plättchen, liegen in mehreren Lagen übereinander, und die oberste Lage verhornt nicht, weil sie ständig feucht bleibt. Verhornt ist die Schleimhaut nur an stark beanspruchten Stellen wie dem harten Gaumen, dem Zungenrücken und dem Zahnfleisch. Die oberste Zellschicht schilfert ab, und genau diese Zellen findest Du auf dem Spatel.

StrukturAussehenAb welcher Vergrößerung
PlattenepithelzelleFlache, unregelmäßig eckige oder rundliche Zelle, mit zerknittertem Rand; oft mehrfach so groß wie ein rotes Blutkörperchen100x, gut ab 400x
ZellkernRunder bis ovaler dunkelblauer Fleck in der Zellmitte; bei Säugerzellen etwa 6 µm im DurchmesserGefärbt ab 100x, deutlich bei 400x
ZellplasmaHelle, feinkörnige Fläche um den Kern400x
ZellmembranDünne Außengrenze der Zelle, ohne feste WandAls Zellrand erkennbar
BakterienWinzige Punkte, Stäbchen oder Ketten, oft auf und neben den Zellen; etwa 1 bis 5 µm400x erkennbar, gut bei 1000x

Der Zellkern ist das zentrale Merkmal: Er enthält das Erbmaterial und ist das, was im Schulunterricht abgefragt wird. Bei 400-facher Vergrößerung erscheint ein 6 µm großer Kern rechnerisch etwa 2,4 mm groß im Bild, also gut erkennbar. Die Zelle selbst ist deutlich größer, und die einzelnen Zellen liegen oft zerknittert oder gefaltet. Das ist normal, weil sie sehr dünn sind.

Bakterien in der Mundschleimhaut

In jedem Mundabstrich findest Du Bakterien, denn der Mund trägt eine natürliche Mundflora. Die meisten Bakterien sind etwa 1 bis 5 µm lang, also kaum größer als der Zellkern. Du erkennst sie als kleine blaue Pünktchen, Stäbchen oder Kettchen auf den Zellen oder im Hintergrund. Bei 400-facher Vergrößerung sind sie nur als feine Punkte zu sehen, die Form erkennst Du sicher erst mit einem Ölobjektiv bei 1000-fach. Für eine Einordnung der Auflösung helfen die Begriffe Auflösungsvermögen und förderliche Vergrößerung.

Gut zu wissen: Bakterien im Mund sind normal und zum großen Teil harmlos. Aus ihrer Anzahl oder Form im Mikroskop lässt sich nichts über Deine Gesundheit ablesen. Das Ergebnis dient nur der Beobachtung, nicht der Bewertung von Zähnen oder Zahnfleisch. Bei Beschwerden gehst Du zur Zahnärztin oder zum Zahnarzt.

Pflanzenzelle und Tierzelle im Vergleich

Mit Zwiebelhaut und Mundschleimhaut hast Du genau die zwei Präparate, mit denen im Unterricht die Unterschiede von Pflanzenzelle und Tierzelle gezeigt werden. Die Tabelle fasst sie zusammen.

MerkmalPflanzenzelle (Zwiebelhaut)Tierzelle (Mundschleimhaut)
ZellwandJa, besteht hauptsächlich aus Cellulose; gibt Form und FestigkeitNein, nur eine dünne Zellmembran
FormEckig bis rechteckig, regelmäßig angeordnetFlach, unregelmäßig, oft zerknittert
ZellkernJa, meist an der WandJa, meist zentral
VakuoleGroße Zellsaftvakuole, kann bis zu 90 % des Zellvolumens einnehmenKeine große Vakuole
ChloroplastenIn grünen Pflanzenteilen ja, in der Zwiebelhaut neinNein
Anordnung im PräparatZusammenhängende ZellschichtEinzelne abgelöste Zellen
Typische FärbungIod-Kaliumiodid oder MethylenblauMethylenblau

Beide Zelltypen haben einen Zellkern, Plasma und eine Zellmembran. Pflanzen kommen zusätzlich mit Zellwand, Vakuole und Plastiden. Weil die Mundschleimhautzelle keine Wand hat, ist sie flexibler und zerknittert leichter. Die Zwiebelzelle ist durch ihre Wand fest und kantig. Das ist der Grund, warum die Zwiebelhaut im Mikroskop so geordnet aussieht wie ein Mauerwerk.

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Typische Fehler beim Mundschleimhaut-Präparat

ProblemUrsacheLösung
Keine Zellen zu findenAbstrich zu schwach, Kontrast zu geringLänger abstreichen, Aperturblende schließen, Methylenblau zusetzen
Dunkle Klumpen ohne StrukturZu viel Material, Zellen übereinanderMehr Wasser zugeben und leicht verreiben
Alles tiefblauZu viel FarbstoffNeues Präparat mit weniger Farbe, auswaschen mit Wasser
Runde Ringe mit dunklem RandLuftblasenDeckglas schräg ansetzen und langsam senken
Viele Krümel und FasernSpeisereste, ZahnpastaMund vorher gründlich ausspülen
Bild unscharf bei 400xDeckglas verrutscht oder Objektiv nicht fokussiertMit kleiner Vergrößerung neu scharfstellen, mit Feintrieb nachführen

Hygiene und Entsorgung

Auch Speichel und Mundschleimhaut können Krankheitserreger enthalten. Deshalb gelten klare Regeln:

  1. Nur der eigene Abstrich: Niemand nimmt einen Abstrich von einer anderen Person und teilt keinen Spatel.
  2. Einmal-Spatel: Jeder Spatel oder Zahnstocher wird nur einmal verwendet und danach in den Hausmüll gegeben. Nie in den Mund zurücknehmen.
  3. Hände waschen: Vor und nach dem Präparieren mit Seife.
  4. Deckglas und Objektträger: Nach der Beobachtung in heißem Wasser mit Spülmittel reinigen oder wegwerfen. Papier und Tuch mit Rückständen in den Hausmüll.
  5. Objektiv schützen: Abstrich nie ohne Deckglas ansehen, damit keine Flüssigkeit an die Frontlinse gerät. Reinigung des Geräts: Mikroskop reinigen.
  6. Farbstoff sicher aufbewahren: Methylenblau außer Reichweite von Kindern, nicht trinken, Flecken auf Kleidung vermeiden.

Wer keinen eigenen Abstrich nehmen möchte, kann auf Fertigpräparate zurückgreifen, die menschliche Gewebe zeigen. Die Bestenliste Präparate-Sets zeigt, welche Sets es gibt.

Die Zeichnung zur Mundschleimhaut

Eine Zeichnung gehört zu jedem Präparat dazu. Sie zwingt Dich zum genauen Hinsehen. Die allgemeinen Regeln findest Du in Mikroskop zeichnen. Für die Mundschleimhaut gilt:

  1. Wähle eine einzelne, gut erhaltene Zelle bei 400-facher Vergrößerung und zeichne sie so groß, dass sie die halbe Seite füllt.
  2. Zeichne die Zellmembran als durchgehende, leicht unregelmäßige Linie, ohne Schraffur. Der Kern kommt als Kreis oder Oval hinein.
  3. Beschrifte mit waagerechten Linien am rechten Rand: Zellkern, Zellplasma, Zellmembran. Wenn Bakterien sichtbar sind, beschrifte auch sie.
  4. Gib unter der Zeichnung Titel („Zellen der Mundschleimhaut, Abstrich“), Färbung, Gesamtvergrößerung und Datum an.
  5. Zeichne daneben eine Zwiebelzelle und beschrifte die Unterschiede (Zellwand, Vakuole).

Welche Vergrößerung brauchst Du?

Die Plattenepithelzellen erkennst Du schon bei 100-facher Vergrößerung, den Kern gut bei 400-facher. Die Gesamtvergrößerung ist Okular mal Objektiv, mehr dazu in Vergrößerung beim Mikroskop. Für Bakterien bräuchtest Du 1000-fach mit Öl. Wenn Du ein neues Gerät suchst, helfen Dir der Produktfinder und die Bestenliste Schülermikroskope. Die Rechnung übernimmt der Vergrößerungsrechner.

Fazit

Der Mundschleimhaut-Abstrich ist schnell gemacht: Wange mit sauberem Spatel abstreifen, im Wassertropfen verreiben, Deckglas schräg auflegen und mit verdünntem Methylenblau färben. Bei 400-facher Vergrößerung siehst Du flache Plattenepithelzellen mit blauem Zellkern und kleine Bakterien. Der Vergleich mit der Zwiebelzelle zeigt die zentralen Unterschiede: Die Pflanzenzelle hat Zellwand und große Vakuole, die Tierzelle nicht. Hygiene hat Vorrang: nur der eigene Abstrich, Einmal-Spatel, Hände waschen.

Häufige Fragen

Wie nehme ich einen Mundschleimhaut-Abstrich für das Mikroskop?

Spüle den Mund mit Wasser und streiche dann mit einem neuen Holzspatel oder Zahnstocher sanft über die Wangeninnenseite. Verreibe den Belag in einem Wassertropfen auf dem Objektträger und lege schräg ein Deckglas auf. Der Spatel wird danach weggeworfen.

Wie färbe ich Mundschleimhautzellen mit Methylenblau?

Tropfe einen kleinen Tropfen verdünntes Methylenblau an den Deckglasrand und sauge am gegenüberliegenden Rand mit Küchenpapier ab. Nach ein bis zwei Minuten sind die Zellkerne blau gefärbt. Zu viel Farbstoff färbt alles dunkel und verdeckt Details.

Was sieht man bei Mundschleimhautzellen im Mikroskop?

Du siehst flache, unregelmäßig geformte Plattenepithelzellen mit rundem Zellkern in der Mitte, umgeben von hellem Zellplasma. Dazu kommen kleine Bakterien als Punkte oder Stäbchen. Die Zellen haben keine Zellwand und wirken oft zerknittert.

Welche Vergrößerung brauche ich für Mundschleimhaut?

Die Zellen erkennst Du ab 100-facher Vergrößerung, den gefärbten Kern gut bei 400-fach. Bakterien sind bei 400-fach als feine Punkte sichtbar, ihre Form erkennst Du erst bei 1000-fach mit Ölobjektiv.

Was unterscheidet Tierzelle und Pflanzenzelle im Mikroskop?

Die Pflanzenzelle der Zwiebelhaut hat eine feste Zellwand, eine große Vakuole und eine eckige, regelmäßige Form. Die Tierzelle der Mundschleimhaut hat nur eine Zellmembran, keine große Vakuole und eine unregelmäßige, flache Form. Beide besitzen einen Zellkern.

Quellen

  1. Wikipedia: Mundschleimhaut
  2. Wikipedia: Plattenepithel
  3. Wikipedia: Zelle (Biologie)
  4. Wikipedia: Methylenblau
  5. Wikipedia: Bakterien

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